Schweiz: Neue Datenbank zu Religionszugehörigkeit in Europa

Wissenschaftler der Universität Luzern haben eine neue Datenbank zur Religionszugehörigkeit in Europa erstellt. Das vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Forschungsprojekt „Swiss Metadatabase of Religious Affiliation in Europe (SMRE)“ deckt mit seiner interaktiven Datenbank-Anwendung 50 Länder in Europa ab. Erstmals gibt es für zwei Zeiträume (1996 bis 2005 sowie 2006 bis 2015) vergleichbare Daten für diese Länder, die für Forschende, Journalisten und Interessierte frei zugänglich sind.

Zwar gibt es Statistiken zur Religionszugehörigkeit aus den verschiedenen Ländern, diese unterscheiden sich allerdings beträchtlich und sind nicht direkt miteinander vergleichbar. Die Forschenden um Antonius Liedhegener, Professor für Politik und Religion an der Universität Luzern, definierten daher die Kategorie „Religionszugehörigkeit“ enger und erfassten nur formale Mitgliedschaften zu Religionsgemeinschaften, keine kulturellen Zugehörigkeiten.

Mithilfe der ermittelten Daten lassen sich teils unerwartete Aussagen machen. So ist die formale oder institutionelle Religionszugehörigkeit in ganz Europa erstaunlich stabil. In 70 Prozent der Staaten herrscht heute noch die historische dominante Konfession vor. Doch in einigen Ländern hat die Säkularisierung dazu geführt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung keiner Religion mehr angehört. Dazu gehören Tschechien, Estland, Großbritannien und Frankreich. Länder wie Russland, Weißrussland, Ukraine, Polen, Bosnien-Herzegowina und Aserbaidschan sind in den 2000er Jahren religiös homogener geworden. In den protestantischen Ländern Nordeuropas, in Albanien, der Republik Moldau und Spanien hingegen wächst die religiöse Pluralität. Die Entwicklungen in Ost- und Westeuropa scheinen sich also tendenziell auseinanderzubewegen.

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