Bulgarien: Kardinal Puljic leitet katholische Jubiläumsfeiern in Bulgarien

Die katholische Kirche in Bulgarien hat den 370. Jahrestag der Gründung der Diözese Nikopol gefeiert. Hauptzelebrant bei den Festgottesdiensten war der Erzbischof von Sarajevo, Kardinal Vinko Puljić. Das ist kein Zufall: Die ersten römisch-katholischen Priester, die 1595 in das heutige Bulgarien kommen konnten, waren bosnische Franziskaner. Auf Grund der guten Erfahrungen mit den Franziskanern im Heiligen Land hegten die osmanischen Behörden auch im Hinblick auf die bosnischen Franziskaner keinen Verdacht, dass die Ordensleute insgeheim mit den Feinden der Hohen Pforte - vor allem dem habsburgischen Österreich und der Republik Venedig - kooperieren könnten.

Am 12. Mai 2018 zelebrierte Kardinal Puljić in Pleven eine Festmesse zum Diözesanjubiläum und besuchte im Historischen Museum von Pleven den Grabstein des ersten katholischen Bischofs von Nikopol, Filip Stanislavov. Dieser Bischof hat auch für die bulgarische Nationalgeschichte höchste Bedeutung, weil er u.a. 1651 in Rom den Druck des ersten Buches (Titel: "Abagar") mit Elementen der modernen bulgarischen Sprache veranlasste. "Abagar" (der Titel hat mit dem Namen des legendären Fürsten Abgar von Edessa/Urfa zu tun, der einen Brief an Jesus Christus geschrieben haben soll) ist ein Gebetbuch, in dem aber auch viele Geschichten aus der kanonischen und apokryphen geistlichen Literatur enthalten sind, teilweise auch aus der paulikianischen Tradition.

Stanislavov wurde 1612 in eine einflussreise paulikianische Familie geboren. Die Paulikianer waren Anhänger einer auf die Gnosis zurückgehenden, ursprünglich in Anatolien beheimateten häretischen Gemeinschaft. An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert konnten die bosnischen Franziskaner viele Paulikianer für den katholischen Glauben gewinnen. Filip Stanislavov gehörte zu jenen bulgarischen Jugendlichen, die von der vatikanischen Missionskongregation ("Propaganda Fide") Stipendien für das Studium am "Collegio Illirico" erhielten. Er absolvierte von 1627 bis 1633 ein umfassendes Studium an diesem "Collegio", in Ancona wurde er zum Priester geweiht. Von 1633 bis 1635 war Stanislavov, der u.a. auch osmanisch und rumänisch sprach, als Mitarbeiter von Papst Urban VIII. an der römischen Kurie tätig. 1648 wurde er zum Bischof von Nikopol ernannt, seinen Sitz schlug er in Trančoviza bei Pleven auf. Stanislavov entfaltete eine umfassende Tätigkeit zur bildungsmäßigen und spirituellen Entfaltung des Volkes, so wurden die Predigten in den katholischen Gotteshäusern in der bulgarischen Alltagssprache gehalten.

Die Feiern mit Kardinal Puljić seien für die katholische Kirche in Bulgarien eine Gelegenheit, sich daran zu erinnern, "woher wir kommen und wohin wir gehen wollen", sagte der derzeitige Bischof von Nikopol, Petko Jordanov Christov. Die 1648 begründete Diözese Nikopol mit ihren heute 20 Pfarrgemeinden hat eine bewegte Geschichte. Am Beginn des 16. Jahrhunderts gab es in der heute verlassenen Stadt Nikopol im nördlichen Bulgarien viele Katholiken. An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert kamen die bosnischen Franziskaner in die Gegend. Sie bildeten 1624 eine unabhängige Ordensprovinz. 

Im Zug der habsburgisch-osmanischen Auseinandersetzung Ende des 17. Jahrhunderts gerieten die bulgarischen Katholiken bei den osmanischen Behörden in den Verdacht, eine "fünfte Kolonne" der Österreicher zu sein. 1688 wurden die meisten katholischen Gotteshäuser im nördlichen Bulgarien von den Türken zerstört, viele Katholiken wurden getötet. Auch der damalige Bischof von Nikopol, Anton Stefanov, musste fliehen. Jahrzehntelang blieb die Diözese Nikopol unbesetzt, auch die Evangelisierungstätigkeit erlosch. 1717 residierte der neue Bischof von Nikopol in Belene, einem der wenigen ganz katholischen Orte im nördlichen Bulgarien. Später wurde die Residenz nördlich der Donau - nach Bukarest - verlegt, wo sie bis 1883 verblieb.

Ende des 18. Jahrhunderts kamen die Passionisten ins nördliche Bulgarien, 1805 wurde einer der ihren, Francesco Maria Ferreri, zum Bischof von Nikopol ernannt. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts erlaubte die osmanische Verwaltung die Wiedererrichtung von katholischen Gotteshäusern, aber der Wiederaufbauprozess ging nur schleppend vor sich. Der Märtyrer-Bischof Eugenio Bossilkov war ein Passionist. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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