• Metéora-Kloster in Thessalien, Griechenland
  • Kirche in Molchad, Weissrussland, ©Renovabis
  • Kirche Sveti Jovan Kaneo in Ohrid, Makedonien, ©G2W
  • Glockenturm und Maria-Entschlafens-Kathedrale in Sergiev Posad, Russland, ©G2W
  • Kiewer Höhlenkloster, Ukraine
  • Kathedrale Sveti Sava in Belgrad, Serbien
  • Kloster Pannonhalma, Ungarn, ©Renovabis
  • Alexander-Nevski-Kathedrale in Sofia, Bulgarien, ©Plamen Agov, studiolemontree.com
  • Brücke über die Neretva in Mostar, Bosnien-Herzegowina, ©G2W

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Deutschland: Niederaltaicher Altabt Emmanuel Jungclaussen verstorben

Am 8. Dezember 2018 ist Altabt Emmanuel Jungclaussen im Alter von 91 Jahren im Kloster Niederaltaich verstorben. Jungclaussen war von 1989 bis 2001 der 84. Abt Niederaltaichs, das zu den ältesten Klöstern Bayerns und Deutschlands zählt. Er war geistlicher Schriftsteller und trat aus Interesse an der ökumenischen Arbeit des Klosters dort ein. Emmanuel Jungclaussen hat das ostkirchliche Jesus- und Herzensgebet in Westeuropa bekannt gemacht und war der erste, der es in einer großen Gruppe im Westen gelehrt hat.

In seiner Amtszeit als Abt wurden das Gäste- und Tagungshaus der Abtei eingerichtet und das ehemaligen Internat zu einem Bildungshaus umgebaut. Niederaltaich konnte dadurch seine Angebote in der Erwachsenenbildung, besonders die Kloster-auf-Zeit-Kurse, das Spiritualitätsangebot und die Herzensgebetsseminare erweitern. In der klösterlichen Arbeit war Altabt Emmanuel von 1956 bis 1993 Lehrer am St. Gotthard Gymnasium und unterrichtete die Fächer Deutsch und Religion. Von 1966 bis 1974 war er Pfarrer des Dorfes Niederalteich.

Weil Niederaltaich bereits lange vor dem II. Vatikanischen Konzil in der Ökumene engagiert war, ist Walter Jungclaussen, so der weltliche Name des Abtes, dort eingetreten. Damals war der charismatische Abt Emmanuel Heufelder (1898–1982) die herausragende Persönlichkeit des Klosters. Innerhalb der ökumenisch engagierten Gruppe der Mönche galt Jungclaussens Interesse vor allem der griechischen Kirche, er lernte Neugriechisch und reiste mehrfach auf den Heiligen Berg Athos und nach Griechenland. Die geistliche Literatur der orthodoxen und monastischen Traditionen war ihm somit zugänglich. Mit diesem Wissen wurde Jungclaussen zum Herausgeber von Standardliteratur zum Herzens- und Jesusgebet. Dabei ragen vor allem die „Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers“ heraus, ein Buch das bis heute neu aufgelegt wird. Mit dem griechischen orthodoxen Metropoliten Kallistos (Ware) gab er ein weiteres Standardwerk heraus: „Hinführung zum Herzensgebet“. Über die Thematik der geistlichen Versenkung und Meditation ist Jungclaussen auch zum Verbreiter des evangelischen Mystikers Gerhard Tersteegen (1697 – 1769) geworden.

Auch der Buddhismus gehörte zu den Interessengebieten des Altabts. Er suchte den Austausch mit Nonnen und Mönchen aus dem Fernen Osten, die immer wieder in Niederaltaich zu Gast waren. Ihn verband eine Freundschaft mit der buddhistische Nonne Ayya Khema (1923–1997), die ihre Retreats (vergleichbar mit christlichen Exerzitien) zusammen mit ihren Anhängerinnen in Niederaltaich durchführte. In den 1970er Jahren ist Emmanuel Jungclaussen in eine Einsiedelei nach Japan gegangen, um einige Monate in Abgeschiedenheit Zen-Meditation zu leben. In einem Interview 2012 sagte er: „Es war eine wichtige Zeit, aber ich habe danach gewusst, dass mein Weg das Herzensgebet ist.“

Viele Menschen, die geistlichen Rat suchten, besuchten Emmanuel Jungclaussens Vorträge. Oftmals waren die Vortragsräume, wie die Domschule in Würzburg oder in St. Bonifaz in München, zu klein, um alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu fassen. Viele kamen zu Einzelgesprächen in die Abtei, er wurde zum geistlichen Ratgeber und Beichtvater auch von Bischöfen.

Seine spirituelle Sicht hatte Wirkung auf seine ökumenische Arbeit: Er war der Meinung, dass sich über die Spiritualität eine Einheit erfassen lässt, und dass diese Einheit jetzt schon spürbar und erfahrbar ist. „Wenn es zur Einheit kommt, dann über eine tief gelebte Spiritualität“, war sein Credo. Altabt Emmanuel war mit zahlreichen Geistesgrößen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts befreundet. Zu ihnen zählten Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898–1990), ein in Japan lebender Jesuit und Zen-Meister; Karlfried Graf Dürckheim (1896–1988), japanischer Botschafter, Psychotherapeut und Zen-Lehrer; der oben erwähnte Metropolit Kallistos (Ware) und Cyrill v. Korvin-Krasiniski (1905–1992), der noch vor dem Zweiten Weltkrieg Tibetforscher war. Letzter gab dem jungen Mönch, Pater Emmanuel, den Hinweis, sich mit dem Jesusgebet zu befassen. Jungclaussen war von den Schriften des Arztes und „modernen Mystikers“ Carl Albrecht (1902–1965) geprägt, dessen Texte er intensiv studierte.

Über den Raum von Kirche und Religion hinaus wurde Jungclaussen über den Umweltschutz einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Als die bayrische Staatsregierung die Donau ausbauen, begradigen und künstlich fassen wollte, begann der damalige P. Emmanuel Jungclaussen 1994, nach orthodoxem Vorbild die Donau zu segnen. Die Segnungen entwickelten sich schnell zu einem Politikum des Widerstands und waren Anfang der 1990er Jahre selten. Jungclaussen wurde 1998 mit dem Hans Lechner Naturschutzpreis und 2008 mit dem Bayrischen Naturschutzpreis ausgezeichnet. Dem Bund Naturschutz blieb der Abt ein treuer Partner und Schirmherr.

Emmanuel Jungclaussen wurde am 15. Mai 1927 in Frankfurt an der Oder geboren und evangelisch getauft. Mit 19 Jahren konvertierte er zur katholischen Kirche. Dazu hatte ihn ein Erlebnis im Wiener Stephansdom geführt. Dort hatte er während des Kriegs eher zufällig einen Gottesdienst zum Fest Maria Empfängnis besucht. Dieses Erlebnis löste die Hinwendung zu einem geistlichen Weg und zum Priestertum aus. Ab 1949 studierte er katholische Theologie in Frankfurt St. Georgen. 1953 wurde er für das Bistum Osnabrück zum Priester geweiht und ging als Kaplan nach Fürstenau im Landkreis Osnabrück. 1955 trat er in die Abtei Niederaltaich ein. 1989 wählte der Konvent ihn zum Abt, dieses Amt hatte er bis 2001 inne. Beim Besuch des orthodoxen Metropoliten Porfirije (Perić) im Jahr 2016 sagte er „Niederaltaich war für mich ein Glücksfall, hier hatte ich meine Freiheit, mich mit ostkirchlicher Spiritualität und Buddhismus zu beschäftigen, das war in den 50er und 60er Jahren keineswegs selbstverständlich“. Fast alle Besucher der letzten Jahre begrüßte er damit: „Ich bin so dankbar für dieses Leben und für dieses Kloster, das ich gefunden habe.“

Carol Lupu, orthodoxer Theologe, der zusammen mit dem Niederaltaicher Konvent in einer Gemeinschaft lebt; Journalist beim Bayerischen Rundfunk und der ARD.

Hintergrund

Dossier

Publikationen

RGOW 6/2019: Nordkaukasus - eine gezähmte Krisenregion?

rgow cover 2019 6Vor zehn Jahren, im April 2009, wurde der Zweite Tschetschenienkrieg offiziell beendet, doch der Nordkaukasus gilt nach wie vor als einer der größten Unruheherde im postsowjetischen Raum. Korruption im Staatsapparat, Klientelpolitik, Clan-Wesen und systematische Menschenrechtsverletzungen konzentrieren sich hier stärker als in anderen Teilen Russlands. In der seit zehn Jahren als „befriedet“ geltenden Region bleibt Gewalt ein verbreitetes Phänomen.

In der vorliegenden Ausgabe stehen das Trauma der Deportation kaukasischer Völker 1943/44 nach Zentralasien, die gegenwärtige Stellung Tschetscheniens, dessen Territorialkonflikt mit Inguschetien, aber auch die friedlichere Entwicklung in Kabardino-Balkarien im Fokus. Weitere Beiträge geben Einblick in den ungenügenden Schutz der Frauenrechte, die Entwicklung des radikalen Islam wie auch christlicher Kirchen im Nordkaukasus und in den Ausbau der Tourismus-Infrastruktur auf Kosten des Naturschutzes.

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Die orthodoxen Kirchen in der Ukraine nach dem Wahlkampf

zois spotlight 21 2019ZOiS Spotlight 21/2019
29. Mai 2019


von Regina Elsner



ZOiS Spotlight 21/2019

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Hinweise

International Ecumenical Conference: Called to Life in Christ

called to life in christ bose27th International Ecumenical Conference of Orthodox Spirituality

Called to Life in Christ
In the Church, in the world, in the present time


4.-6. September 2019
Monastery of Bose
in collaboration with the Orthodox Churches

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