Stellungnahme der „Gesellschaft zum Studium des Christlichen Ostens“ (GSCO) zum Krieg in der Ukraine

. : Hintergrund

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1. März 2022

Erschüttert, schockiert und fassungslos nimmt die GSCO das aktuelle Geschehen in der Ukraine mit seinen desaströsen humanitären, gesellschaftlichen und politischen Folgen wahr. Sie verurteilt die Invasion Russlands in die Ukraine aufs Schärfste als massive Verletzung des Völkerrechts und findet sich wieder in den mahnenden Worten des Metropoliten Onufrij (Beresovskyj) von Kiew der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, die in Gemeinschaft mit dem Moskauer Patriarchat steht. Er betont, der Krieg zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk wiederhole die Sünde Kains und sei weder vor Gott noch vor den Menschen zu rechtfertigen.

Die GSCO vereint als Arbeitsgemeinschaft mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im deutschen Sprachraum, die sich mit dem Christlichen Osten befassen. In ihrer internationalen und ökumenischen Ausrichtung verbindet sie Angehörige aller am Konflikt beteiligten Nationen sowie der verschiedenen orthodoxen, katholischen und evangelischen Kirchen weltweit. Unsere langjährige und fruchtbare wissenschaftliche Kooperation ist getragen von den fundamentalen Prinzipien des unbedingten Respekts und der gegenseitigen Wertschätzung. Die GSCO versteht ihre Arbeit auch als Beitrag zum Aufbau des Friedens, zur gegenseitigen Anerkennung und zur Verständigung unter den Völkern sowie zur ökumenischen Annäherung der Kirchen.

Die GSCO ist davon überzeugt, dass alles in menschlicher Macht Stehende unternommen werden muss, um den Frieden wiederherzustellen und den Riss, der Europa, ja die Welt heute entzweit, nicht zur unüberwindlichen Kluft werden zu lassen. Für uns steht fest, dass dabei auch die Kirchen eine große Verantwortung tragen, da sie dazu berufen sind, die prophetische Stimme der christlichen Botschaft in der Welt zu erheben und mächtige Fürsprecherinnen von Frieden und Versöhnung zu sein. Wir appellieren daher mit dem größtmöglichen Nachdruck an alle Kirchenleitungen und alle Christinnen und Christen, mit der Botschaft des Friedens noch stärker in die Gesellschaft hinein zu wirken und die eigene Verantwortung im Einsatz gegen die Gewalt und für den Frieden in aller Entschiedenheit wahrzunehmen.

Mit großer Besorgnis beobachten wir derzeit aber auch, wie über Jahrzehnte hinweg mühsam aufgebaute Kooperationen und Partnerschaften mit einem Mal beendet werden. Als wissenschaftliche Vereinigung plädieren wir dafür, selbst angesichts dieser dramatischen Situation, die bestehenden Brücken zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den verschiedenen Nationen und Kirchen nicht gänzlich abzubrechen, sondern sie vielmehr als Grundlage zur Wiederherstellung des Friedens zu begreifen: Die gegenseitige, tiefgreifende Kenntnis und die innere Wertschätzung des Reichtums der unterschiedlichen Kulturen können Wege zu einer nachhaltigen Verständigung über Fragen der Zukunft weisen. Wir stehen daher dezidiert ein für die Freiheit der Wissenschaft, für offene Kommunikationskanäle und für den Dialog um der Versöhnung und des Friedens willen.

In der jetzigen Situation gilt zuallererst unsere Anteilnahme den Menschen, die unschuldige Opfer eines aggressiven Angriffskrieges geworden sind und deren Menschenwürde massiv verletzt wird. Wir alle haben Kolleginnen und Kollegen und viele gute Freunde, die in diesen Tagen bitteres Leid erdulden müssen. Wir rufen dazu auf, all diesen Menschen durch humanitäre Hilfe und Gebete zu helfen und nicht müde zu werden, für den Frieden einzustehen!

Der Vorstand der GSCO:

Prof. Dr. Thomas Kremer (Vorsitzender)

Dr. Irena Pavlović

Prof. Dr. Jennifer Wasmuth

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