Ukraine: Poroschenko fordert Entschuldigung für Tomos-Scherz

Der nicht wiedergewählte ukrainische Präsident Petro Poroschenko will sich weiterhin für die neue Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) einsetzen, für deren Gründung und Autokephalie er sich engagiert hatte. Sein „Team wird die OKU vor der Revanche des Moskauer Patriarchats beschützen“, sagte Poroschenko gegenüber dem Fernsehsender Prjamyj. Außerdem „warten wir noch immer auf eine Entschuldigung“ für den Scherz des designierten Präsidenten Volodymyr Selenskyj über den Autokephalie-Tomos.

Damit bezog sich Poroschenko auf die Silvester-Show Selenskyjs, der bis zu seiner Präsidentschaftskandidatur in erster Linie als Komiker und Schauspieler bekannt war. Dabei hatte dieser sich über den Autokephalie-Tomos, den die OKU im Januar vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios erhalten hat, lustig gemacht. Unter anderem verglich er ihn mit einer Thermoskanne; die Worte tomos und termos ähneln einander im Russischen.

Anders als Poroschenko, der mit dem Motto „Armee, Sprache, Glaube“ geworben und im Wahlkampf seine Verdienste um die Gründung der OKU herausgestrichen hatte, hatte Selenskyj das Thema Kirche im Wahlkampf nicht aufgegriffen. Nur seine juristische Beraterin hatte angekündigt, er werde den Tomos befürworten und anerkenne dessen Bedeutung für die Identität des Landes, auch wenn die Ukraine ein säkularer Staat sei. Bei der TV-Debatte im Kiewer Olympia-Stadion anerkannte Selenskyj zwar Poroschenkos Verdienst, dieser sei aber nicht nur ihm allein zuzuschreiben. Der Tomos sei ein Sieg für die Ukraine und vor allem für Filaret (Denisenko), den früheren Patriarchen der Ukrainischen Orthodoxen Kirche–Kiewer Patriarchat, die in der OKU aufgegangen ist. Dieser habe schon für die ukrainische Kirche gekämpft, als Poroschenko noch ein „Pfarrkind des Moskauer Patriarchats“ gewesen sei.

Metropolit Onufrij (Berezovskij), das Oberhaupt der Moskau unterstehenden Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), gratulierte Selenskyj zu seinem Wahlsieg und sagte ihm die „bedingungslose Unterstützung“ seiner Kirche zu. Der Moskauer Patriarch Kirill sprach gar von einer „historischen Chance“, die Menschen in der Ukraine zu vereinen. Er hoffe auf ein „Ende der traurigen Zeit der Verfolgung und Diskriminierung“ der Gläubigen der UOK.

Bei einem Treffen am 30. April besprachen Selenskyj und Onufrij die religiöse Situation in der Ukraine. Am selben Tag besuchte der neugewählte Präsident auch das Oberhaupt der OKU, Metropolit Epifanij (Dumenko), und den „Ehrenpatriarchen“ Filaret (Denisenko). Gegenüber Epifanij bekundete Selenskyj die Hoffnung auf eine Fortsetzung der guten Beziehungen zwischen Kirche und Staat. Zudem diskutierten sie über Herausforderungen für die Ukrainer, darunter den Konflikt im Donbass. Einig waren sie sich darin, dass die Kirche beten und der Staat alles tun müsse, damit alle Regionen des Landes in Ruhe und Frieden leben können. Weitere Themen waren der Kampf gegen Korruption und Armut.

Am 2. Mai traf der künftige Präsident mit führenden Persönlichkeiten der muslimischen Gemeinschaft der Ukraine zusammen. Dabei rief Selenskyj „alle zur Versöhnung und Konsolidierung“ auf und hoffte, dass die religiösen Führer hierbei mitwirken würden. Zudem wies er auf die Notwendigkeit von ausländischen Investitionen in die Wirtschaft hin, auch aus muslimischen Staaten. Said Ismagilov, der Mufti der Geistlichen Verwaltung der Muslime der Ukraine, betonte die Wichtigkeit von religiösen Rechten und Freiheit, insgesamt zog er eine positive Bilanz des Treffens. (mit Material von Kathpress)

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