Georgien: Für Kirche bleibt Frage des Garedscha-Klosters ungelöst

Aus der Sicht der Georgischen Orthodoxen Kirche (GOK) ist das Problem um den Klosterkomplex Davit Garedscha im georgisch-aserbaidschanischen Grenzgebiet weiterhin „ungelöst“. Im Oktober hatten sich der georgische Ministerpräsident und der aserbaidschanische Präsident darauf geeinigt, dass georgischen Geistlichen der Zugang zum Kloster wieder gewährt wird. Die GOK wünscht sich jedoch eine Wiederherstellung des Status Quo von vor Juli 2019, wie sie in einem Statement erklärte.

Die Verleihung eines Sonderstatus, bei dem der Klosterkomplex als grenzüberschreitendes geschütztes Gebiet klassifiziert würde, lehnt die GOK ab. Ein solches Modell sei sinnvoll, wenn ein Gebiet aufgrund „historischer, kultureller, rechtlicher oder kartografischer“ Unklarheiten umstritten sei. Bei den beiden Kirchen, Udabno und Tschitschchituri, zu denen der Zugang seit Anfang 2019 eingeschränkt ist, sei dies aber nicht der Fall. Deshalb würde der Vorschlag eines Sonderstatus lediglich Zweifel daran säen, dass es sich tatsächlich um georgisches Territorium handle, und somit könne die GOK ihn nicht unterstützen. Die Initiative stammt von einer Gruppe georgischer Wissenschaftler, die damit die Spannungen um das Kloster abbauen möchten. Sie glauben, dass mit ihrem Plan beide Staaten wirtschaftlich vom Kulturdenkmal profitieren und deshalb die Spannungen abnehmen könnten.

Davit Garedscha liegt an einem Abschnitt der Grenze zwischen Georgien und Aserbaidschan, der seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion umstritten ist. Der Komplex aus dem 6. Jahrhundert umfasst mehrere Klöster, Kirchen und Tausende Mönchszellen, darunter zahlreiche Höhlenzellen. Die Spannungen um das Kulturdenkmal verschärfen sich immer wieder, so hatte Aserbaidschan im Frühsommer 2019 nach einem kontroversen Besuch der georgischen Präsidentin den Zugang zur Anlage eingeschränkt. Dagegen protestierten georgische Aktivisten, orthodoxe Geistliche und Einwohner der Umgebung. Die Einigung zwischen den Regierungschefs vom Oktober sollte den Zugang zumindest für georgische Geistliche wieder gewährleisten.

Im Dezember kam es zudem zu einem Zwischenfall an der Grenze, bei dem offenbar ein georgischer Schäfer von aserbaidschanischen Grenzbeamten verletzt wurde. Laut georgischen Medienberichten wollte er seine Schafe aus neutralem Gebiet nach Georgien zurücktreiben und wurde dabei angeschossen. Der aserbaidschanische Grenzschutz hingegen meldete, der Schäfer sei auf aserbaidschanischem Gebiet gewesen und seine Hunde hätten die Grenzbeamten angegriffen. (NÖK)

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