Armenien: Patriarch gedachte der Märtyrer des Völkermords

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Der oberste Katholikos-Patriarch aller Armenier, Karekin II., hat aus Anlass des 105. Jahrestages des Beginns der Armenier-Verfolgung im Osmanischen Reich die „heiligen Märtyrer des Völkermords an den Armeniern“ gewürdigt. In einer Botschaft erinnerte Karekin am 24. April an die Ermordung von armenischen Männern, Frauen und Kindern in den Jahren zwischen 1915 und 1923, an die „Zerstörung der nationalen und spirituellen Werte des armenischen Volkes“, seiner Heiligtümer, Kirchen und Klöster, Dörfer und Städte. Unzählige Armenier hätten damals ihre historische Heimat verloren und seien zur Flucht ins Exil gezwungen worden. Um 12 Uhr mittags läuteten in allen Kirchen Armeniens und der armenischen Diaspora die Glocken zum Gedenken an die Märtyrer.

Am 24. April 1915 begann im Osmanischen Reich die systematische Verhaftung, Vertreibung und Ermordung der christlichen Armenier. Durch die Maßnahmen der jungtürkischen Regierung kamen nach Schätzungen bis Ende des Ersten Weltkriegs bis zu 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Türkei weigert sich bis heute, das damalige Geschehen als Völkermord anzuerkennen.

Wegen der Corona-Pandemie sei es dieses Jahr nicht möglich, am „Tsitsernakaberd“-Mahnmal in Jerewan, in den Kirchen und an den Gedenkstätten an die Märtyrer zu erinnern, bedauerte Karekin, der selbst die Gedächtnis-Liturgie in der Kathedrale von Etschmiadzin nur hinter verschlossenen Türen zelebrieren konnte. Umso mehr gelte es, in den Häusern und Wohnungen in „spiritueller Solidarität“ der Opfer der Armenier-Verfolgung zu gedenken, so der Katholikos-Patriarch. Das Gebet gelte zugleich der Existenz Armeniens „in Sicherheit, Freiheit und Unabhängigkeit“ und der Hoffnung auf „universale Anerkennung des Völkermords an den Armeniern“.

Bisher haben 30 Staaten die Verfolgung der Armenier im Osmanischen Reich ab 1915 als Völkermord anerkannt. Auch der österreichische Nationalrat verabschiedete 2015 eine Resolution, die die Massaker als Völkermord benannte und verurteilte. 1985 war der Begriff „Armenian genocide“ erstmals in einem offiziellen Papier der UNO erschienen. Die Päpste seit Johannes Paul II. im Jahr 2001 bekräftigten dies, darunter auch Papst Franziskus, der 2013 vom „ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts“ sprach.

2016 gedachte Franziskus während eines Armenien-Besuchs am „Tsitsernakaberd“-Mahnmal der Märtyrer. „Mit Schmerz in der Seele bete ich, dass sich nie mehr solche Tragödien ereignen, dass die Menschheit nicht vergisst und das Böse durch das Gute zu besiegen weiß; Gott möge dem geliebten armenischen Volk und der ganzen Welt Frieden und Trost gewähren und das Gedenken des armenischen Volkes bewahren“, schrieb der Papst damals ins Ehrenbuch des Mahnmals. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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