Russland: Seligsprechungsprozess für Laienapostolin begonnen

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In der katholischen Kathedrale von Saratov an der Wolga wurde vor Kurzem das diözesane Seligsprechungsverfahren für die russlanddeutsche katholische Laienapostolin Gertrude Detzel (1904–1971) eröffnet, wie die Stiftung Pro Oriente berichtet. Bischof Kliment Pickel betonte beim Eröffnungsgottesdienst, dass es ein „historischer Moment“ sei. Gertrude Detzel stammte aus dem russlanddeutschen Dorf Roschdestwenskoje. 1949 wurde sie zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt, 1954 erlangte sie durch eine Amnestie ihre Freiheit wieder. Seit Mitte der 1950er-Jahre lebte sie bis zu ihrem Tod in der kasachischen Industriemetropole Karaganda, wo viele Deportierte und Verbannte gelandet waren.

Bischof Pickel: „Ordensschwester zu sein, war in der Sowjetunion verboten, aber sie lebte so. Ihr ganzes Leben war Gott geweiht und sie lehrte andere, ihn zu suchen und zu lieben. Das war lebensgefährlich. Ob es stimmt, dass sie aus dem Arbeitslager entlassen wurde, weil sie auch dort so erfolgreich missionierte, weiß ich nicht. Aber bei allem, was ich höre und lese, kann ich es mir tatsächlich vorstellen“. Es kursiert die Geschichte, dass der Kommandant des Arbeitslagers, in dem Detzel festgehalten wurde, die „Organe“ dringend um Freilassung der Gefangenen ersuchte, „weil sonst hier alle zu beten anfangen“.

Der Bischof von Karaganda, Adelio Dell'Oro, erzählte in seiner Predigt bei der Messfeier zur Eröffnung des diözesanen Seligsprechungsverfahrens bewegende Beispiele aus dem Leben von Detzel. Sie habe am Sonntag, auch noch im Straflager, katholische und evangelische Frauen zum gemeinsamen Gebet versammelt. Als eines Tages der Lagerkommandant die Baracke während des heimlichen Gebets betrat, seien alle erschrocken. Nur Gertrude habe weiter gebetet, im Knien. Dann sei sie aufgestanden und habe dem Kommandanten, einem Kasachen, erklärt, dass sich katholische Christen, wenn sie zu Gott beten, nicht von Menschen ablenken lassen können. Der Kommandant habe geantwortet: „Hätten Sie aufgehört zu beten, als ich eintrat, hätte ich Ihnen nicht geglaubt. Ihr Glaube ist echt.“ Dann habe er die Baracke verlassen.

Derzeit läuft in Russland auch ein weiteres katholisches Seligsprechungsverfahren, das eine Persönlichkeit aus einer anderen Epoche betrifft. Es geht um den „heiligen Doktor“ Friedrich Joseph Haass (auf Russisch: Fjodor Petrowitsch Gaas). Der aus dem Rheinland stammende Arzt (1780–1853), der jahrzehntelang in Moskau tätig war, gilt als Vorbild christlicher Nächstenliebe über alle konfessionellen Grenzen hinweg. So soll er in Moskau über 25 Jahre lang Strafgefangene seelsorglich, sozial und medizinisch betreut haben und trat für eine Humanisierung des Strafvollzugs ein.

Der Moskauer diözesane Abschnitt des Seligsprechungsverfahrens ist bereits abgeschlossen, jetzt muss die zuständige vatikanische Kongregation die Akten prüfen. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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