Russland: Erzdiakon Kurajev verliert Priesterwürde

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Dem bekannten Erzdiakon Andrej Kurajev hat das Eparichialgericht der Stadt Moskau die Priesterwürde aberkannt. Das Gericht kam am 29. Dezember dem Urteil, dass Kurajev sich am 21. April 2020 auf seinem Blog auf LiveJournal beleidigend über Erzpriester Alexander Agejkin geäußert habe. In Kurajevs Aussagen erkannte das Gericht Anzeichen einer Schmähung der Kirche. Zudem spricht es von Anzeichen einer verleumderischen Tätigkeit, was den Vorwurf betrifft, die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) organisiere ein Schisma.

Kurajev war nicht zu den drei Verhandlungen erschienen, an denen sein Fall behandelt wurde. Nur in einem Fall habe er laut Gericht angemessene Gründe für ein Fernbleiben angegeben. Zudem habe er sein Verhalten nach einer Verwarnung 2015 nicht verändert. Damit das Urteil in Kraft tritt, muss es vom leitenden Hierarchen der Stadt Moskau – Patriarch Kirill – bestätigt werden. Bis dahin kann Berufung eingelegt werden.

Schon im Mai hatte Patriarch Kirill Erzdiakon Kurajev wegen seiner Aussagen über Agejkin vorübergehend verboten, Gottesdienste zu feiern. Agejkin war am Tag des betreffenden Blogeintrags an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Kurajev äußerte sich darin negativ über Agejkin und kritisierte dessen Haltung in der Coronavirus-Epidemie. Agejkin hatte sich gegen eine Schließung der Kirchen ausgesprochen, während Kurajev Schutzmaßnahmen befürwortet.

Kurajev ist einer der bekanntesten orthodoxen Publizisten in Russland. Sein Blog auf LiveJournal ist einer der meistgelesenen in Russland und er ist bei den liberalen Medien ein beliebter Interviewpartner. Oft übt er dabei Kritik an der ROK und ihrer Leitung und vertritt abweichende Positionen, so zur Ukraine. Zwar hatte er die Kandidatur des aktuellen Patriarchen Kirill unterstützt, sich aber später von ihm distanziert. Er wirft ihm vor, dass politische Themen Glaubensfragen in seinen Reden und Predigten verdrängen. Ende 2013 verlor Kurajev seine Professorenstelle an der Geistlichen Akademie in Moskau und wurde aus der Theologischen Synodalkommission ausgeschlossen, auch sein Lehrauftrag an der Moskauer Staatlichen Universität wurde nicht verlängert.

Zum Urteil sagte Kurajev, er habe die Wahl gehabt, entweder „in die Knie zu gehen“ und nie mehr seine Meinung zu sagen, oder entsprechend seinem Gewissen zu sprechen. Letzteres sei ihm wichtiger. Das Gericht bezeichnete er als „Parodie“. Über seine Situation äußerte er sich zuversichtlich. Aufgrund seiner Gesundheit gehe es ihm sowieso nicht darum, zu reisen und zu unterrichten. Er sei ein „introvertierter Stubenhocker“, daher fühle er sich unter den Bedingungen der Quarantäne zuhause wohl. Er werde seine Zeit „Büchern, dem Blog und den Neffen“ widmen. (NÖK)

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