Russland: Orthodoxe Kirche möchte in Bildungsfragen engere Zusammenarbeit mit Armee

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Metropolit Pavel (Ponomarjov) von Krutitsy und Kolomna, Patriarchalvikar der Moskauer Metropolie und Rektor der Russischen Orthodoxen Universität, hat sich für verstärkte gemeinsame Anstrengungen von Kirche und Staat bei der Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen. Damit solle eine „zuverlässige geistige und nationale Sicherheit“ des Vaterlands gewährleistet werden. Seine Überlegungen schilderte er am 18. August auf der Konferenz „Aktuelle Probleme und Aufgaben der staatlichen Politik in der Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen“ im Rahmen des Internationalen Militär- und Technikforums „Armee – 2022“.

Metropolit Pavel beklagte Versuche, den „Bürgern Russlands ihre nationale Identität, ihren Glauben und ihr Gefühl für Patriotismus“ zu nehmen. Da Russland ein mächtiger Staat sei, werde kaum jemand versuchen, die Russen mit Waffengewalt ihrer Freiheit und Unabhängigkeit zu berauben. Aber „in unserem bösen Zeitalter gibt es viele andere Möglichkeiten, die Menschen zu zermahlen“ und sie ihres Nationalbewusstseins zu berauben. Viele Kräfte würden aktuell auf genau das hinarbeiten, weil Russland anders geblieben sei. Kinder und Jugendliche seien „am stärksten durch die in der modernen Welt aus verschiedenen Quellen eingesetzten Technologien für massenhafte psychische Angriffe gefährdet“. Deshalb müsse die Widerstandsfähigkeit von Geburt an geformt und durch Familie, Schule und Staat ein Leben lang gefördert werden. Offensichtlich könnten „nur gemeinsame Anstrengungen von Kirche und Staat im Bereich der Bildung und der Persönlichkeitsbildung der Bürger Russlands greifbare Ergebnisse bringen“.

Mit Blick auf die Bildungsaktivitäten der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) hob Pavel die von ihm geleitete Hochschule hervor, die Programme zur Ausbildung von Juristen, Journalisten und Theologen durchführe, in den „besten Traditionen der russischen Bildung, die untrennbar mit der Orthodoxie verbunden ist“. Für besonders vielversprechend hält er den „Ausbau der Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen des Verteidigungsministeriums“, da die „militärisch-patriotische Ausbildung der Absolventen der Russischen Orthodoxen Universität eine ihrer wichtigsten Prioritäten ist“. Unter den Geistlichen der ROK gebe es viele ehemalige Offiziere und Soldaten der russischen Armee. Diese wüssten, was es bedeute, nicht nur ein „körperlich starker und mutiger Soldat“ zu sein, sondern auch ein „starker Geist“, der für sich und die Nächsten eintreten könne. Und zwar nicht nur „auf dem Schlachtfeld, sondern auch im so genannten geistigen Krieg“, denn es gehe um die „geistige Sicherheit“ des Vaterlands. Die „Untersuchung von Technologien und die Entwicklung von Maßnahmen zur Verringerung der Bedrohungen und Folgen der psychischen Kriegsführung sollten zu einem der vorrangigen Bereiche der angewandten interdisziplinären Forschung werden“, führte Metropolit Pavel weiter aus. Deshalb schlug er eine engere Zusammenarbeit zwischen der Russischen Orthodoxen Universität und den Bildungseinrichtungen des Verteidigungsministeriums auf allen Ebenen vor.

Die zunehmend engere Bindung zwischen der ROK und dem Militär zeigte sich auch an der Auszeichnung mehrerer Militärpiloten als „Helden Russlands“ aufgrund ihres Einsatzes in der „Spezialoperation“ in der Ukraine vor der Hauptkirche der russischen Streitkräfte in der Nähe von Moskau. Die Armee führt zudem versuchsweise mobile Kirchen ein, bestehend aus einem ausgebauten Militärfahrzeug. Außerdem gibt es „Feldkirchen“ – ausgebaute Armeezelte. Laut der russischen Armee seien Militärgeistliche immer bei den Truppen und überall würden Feldeinrichtungen für religiöse Andachten eingerichtet. Laut Armeestatistik vom August 2022 gibt es in den Streitkräften mehr als 300 religiöse Objekte. (NÖK)

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