Russland: Patriarch Kirill und Papst Franziskus treffen sich nicht

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Einem Treffen zwischen dem russischen Patriarchen Kirill und Papst Franziskus in Kasachstan hat Metropolit Antonij (Sevrjuk), der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, eine Absage erteilt. Gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti erklärte er, Kirill werde nicht an den Kongress der Oberhäupter der Welt- und traditionellen Religionen in Kasachstan am 14. und 15. September reisen. Die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) würdige die Initiative der kasachischen Regierung zur Entwicklung des interreligiösen Dialogs und halte sie für wichtig und zeitgemäß. Die ROK werde dabei von einer offiziellen Delegation vertreten, zu der Kirill selbst aber nicht gehöre. So sei auch ein Treffen mit Papst Franziskus, der am Kongress teilnehmen wird, nicht möglich.

Noch vor kurzem seien Vorbereitungen für ein zweites Treffen der beiden Kirchenoberhäupter, die sich 2016 in Havanna erstmals getroffen hatten, gelaufen, sagte Antonij weiter. Zur Überraschung der ROK habe der Vatikan im Frühling 2022 aber einseitig erklärt, die Vorbereitungen seien gestoppt worden. Trotz aller öffentlichen Aussagen des Papstes und seiner Mitarbeiter über ein mögliches Treffen in Kasachstan „gab es keinerlei offizielle Kontakte zu diesem Thema“, sagte Metropolit Antonij. Zudem „kann dieses Treffen nicht ‚am Rand‘ eines wenn auch so bedeutenden Ereignisses wie dem Kongress der Weltreligionen stattfinden“, es müsse eine eigenständige Veranstaltung sein. Außerdem bedürfe das Treffen einer sehr sorgfältigen Vorbereitung, die Tagesordnung müsse vereinbart und das Abschlussdokument durchdacht werden.

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Papst Franziskus wiederholt den Wunsch geäußert, nach Russland und in die Ukraine zu reisen; es sei ihm ein Anliegen, den Dialog mit Patriarch Kirill und der ROK zu erhalten. Nachdem ein Treffen für Juni im Libanon erörtert worden war, sagte der Vatikan jedoch wegen Bedenken ab, das Treffen könnte von russischer Seite instrumentalisiert werden.

Bei seiner Generalaudienz am 24. August rief Papst Franziskus erneut zum Gebet für das ukrainische Volk auf und hoffte auf „konkrete Schritte“, um den Krieg zu beenden und eine Atomkatastrophe in Zaporizhzhja zu verhindern. Besonderes Mitgefühl drückte er für die Kriegsgefangenen und die Waisen auf beiden Seiten aus. Den Krieg bezeichnete er als „Wahnsinn“ und erklärte, er denke an „so viel Grausamkeit, so viele Unschuldige, die für den Wahnsinn bezahlen, den Wahnsinn aller Seiten“. Er denke an das „arme Mädchen“, das in Moskau mit einer Autobombe getötet worden sei – es seien „die Unschuldigen, die für den Krieg bezahlen“. Diese Aussagen über die beim Attentat getötete Darja Dugina, die Tochter des ultranationalistischen Ideologen Alexander Dugin, der als zentraler Propagandist der imperialistischen Idee der „Russischen Welt“ gilt, empörte in der Ukraine viele Menschen. Dugina selbst war eine prominente Kommentatorin und ausgesprochene Befürworterin des Kriegs in der Ukraine. Andrej Jurasch, der Botschafter der Ukraine beim Hl. Stuhl, kritisierte Franziskus‘ Worte scharf. Es sei unzulässig, in den „gleichen Kategorien über den Aggressor und das Opfer“ zu sprechen. Wie „kann man eine der Ideologinnen des Imperialismus ein unschuldiges Opfer des Kriegs nennen?“, fragte er. Die Papstrede sei „enttäuschend“ und gebe sehr zu denken. (NÖK)

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