Tschechien: EKBB verabschiedet Strategieplan

Die Synode der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) hat im Mai einen Strategieplan für die Zeit bis 2030 angenommen, der während drei Jahren ausgearbeitet worden war. Mit diesem Dokument soll die Leitung und Verwaltung der EKBB ein neues Instrument erhalten, das bei der Unterstützung des Lebens in den Gemeinden helfen soll.

Im Strategieplan sind sieben zentrale Themen festgelegt, darunter der „Übergang zur Eigenfinanzierung“. Zu den grundlegenden Herausforderungen in diesem Bereich gehören die „Information der Leiter der Gemeinden über verschiedene Finanzierungsquellen“ sowie die „Festlegung angemessener Regeln für unterschiedliche Konstellationen von pastoralen Arbeitsverhältnissen“. Nötig ist die Auseinandersetzung mit dem Thema, da sich die EKBB wirtschaftlich in einer Umstellungsphase befindet. Seit 2013 ist in Tschechien das Restitutionsgesetz in Kraft, auf dessen Grundlage der Staat bis 2042 die Glaubensgemeinschaften für den Besitz entschädigt, der während der sozialistischen Zeit verstaatlicht wurde. Zugleich verringert er jedoch die bisherigen Beiträge an die Religionsgemeinschaften, mit denen insbesondere die Gehälter der Geistlichen finanziert wurden.

So verfügt die EKBB vorübergehend über mehr Ressourcen, doch ab 2030 wird sie vom Staat weniger und ab 2042 gar keine Mittel mehr erhalten. So stellt sich die Frage, auf welchem Weg die EKBB zur Eigenfinanzierung übergehen soll. Zudem ist das Restitutionsgesetz in letzter Zeit unter Druck gekommen, so fordern einige Parteien der Regierungskoalition eine Besteuerung der Restitutionen. Im Abgeordnetenhaus wurde die Gesetzesanpassung nach einem Veto des Senats ein zweites Mal angenommen; möglicherweise kommt die Angelegenheit vor das Verfassungsgericht.

Ein weiteres Thema ist die „lebendige Gemeinde“, dabei schlägt der Strategieplan Maßnahmen vor, „um das Leben und den Dienst in unseren 250 Gemeinden“ zu unterstützen. Zudem spielt die Stärkung der Kompetenzen von Pfarrern und Kirchenvorstehern für den Gemeindeaufbau eine wichtige Rolle. Einige Aspekte des Gemeindelebens und die Unzufriedenheit damit waren auch Auslöser zur Erarbeitung des Strategieplans. So gewinnen zwar die städtischen Gemeinden tendenziell Mitglieder, können aber den Mitgliederverlust in den ländlichen Gemeinden nicht ausgleichen. Die EKBB umfasst heute 71‘000 Kirchenmitglieder in 250 Gemeinden.

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