Tschechien: Kirche entbindet Gläubige von Sonntagspflicht

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Nach der Ausrufung des Notstands durch Regierungschef Andrej Babiš als Maßnahme gegen die Corona-Epidemie hat die katholische Kirche in Tschechien alle Gläubigen von der Sonntagspflicht entbunden. Mit dem vom Staat verkündeten Verbot von Veranstaltungen und Zusammenkünften mit mehr als 30 Menschen kämen auch öffentliche Gottesdienste und andere kirchliche Aktionen „praktisch zum Erliegen“, heißt es in einer vom Olmützer Erzbischof und stellvertretenden Bischofskonferenz-Vorsitzenden Jan Graubner unterzeichneten Erklärung, die auf dem offiziellen Webportal der Kirche nachzulesen ist. Die Gläubigen seien daher bis auf Widerruf von der physischen Teilnahme an den Sonntagsgottesdiensten dispensiert.

Es sei jedoch möglich, Gottesdienste via TV, Radio und Internet mitzufeiern und „den Tag des Herrn in der Familie zu feiern“, betont die Bischofskonferenz. Auch bleibe die Möglichkeit bestehen, Sakramente in den Kirchen zu empfangen, „die im Rahmen der Möglichkeiten geöffnet bleiben“.

Die Gläubigen ruft die tschechische Kirche zur „Aufrechterhaltung der Ruhe, zur Bereitschaft den Bedürftigen zu helfen“ auf. Gleiches gelte für das Gebet, das die „größte Waffe“ sei, über die man verfüge, so Erzbischof Graubner im Namen der Bischöfe.

Täglich um 20 Uhr sollten die Gläubigen dem Aufruf von Papst Franziskus folgen und beten für die „Beendigung der Epidemie, für alle Kranken und ihre Pfleger, für alle, die in dieser bedrückenden Situation über die Schicksale der Menschen entscheiden, für die Überwindung der Angst, für die Hilfe aller Engagierten, für die Vergebung der Sünden und die Versöhnung Gottes, um sich als wahre Christen zu erweisen“. Nicht zuletzt mögen die Gläubigen „ihrer Vorfahren gedenken, die um das Ende der Pest beteten und dann aus Dankbarkeit Mariensäulen und Kirchen erbauten“.

In eigenen Verordnungen setzen die tschechischen Bischöfe darüber hinaus für ihr jeweiliges Diözesangebiet besondere Akzente. So hält Erzbischof Graubner in einem Schreiben an die Gläubigen seiner Erzdiözese Olomouc fest, dass für die Krankenhauskapläne das sonst geltende Besuchsverbot in Krankenhäusern und Seniorenheimen ausgesetzt ist, weil sie als Personal betrachtet werden.

Der Bischof von Litoměřice, Jan Baxant, wiederum schreibt, die Schließung aller Schulen stelle berufstätige Eltern von Kindern vor die Aufgabe, für diese während ihrer Abwesenheit Sorge zu tragen. Da diese Aufgabe nicht von den besonders gefährdeten Großeltern übernommen werden soll, könnten hier ältere Schüler und Studenten einspringen. Die Diözese biete dafür die „Refundierung zumindest des Mittagessens“ an.

In der Diözese Plzeň betont Bischof Tomas Holub, dass die Dispens von der Sonntagspflicht allen Gläubigen ohne altersmäßige Einschränkung gelte. Für die Absicherung der Kirchen, die zum Gebet weiterhin offengehalten werden sollen, erbittet er die „bereitwillige Mithilfe auch der Laien“. Die außergewöhnliche Situation möge auch zur „Unterstützung und Belebung der Hauskirche“ genützt werden, indem der Sonntag im Familienkreis gefeiert, „gemeinsam gebetet und das Wort Gottes gehört“ werde. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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