Tschechien: Laser-Drohnen vermessen wertvolle tschechische Holzkirchen

Zu einer ungewöhnlichen Bestandsaufnahme von Kirchengebäuden hat sich die Diözese Ostrava-Opava entschlossen: Sie lässt alle 15 der wertvollen Holzkirchen auf ihrem Diözesangebiet mit Hilfe von Drohnen per Laser einscannen. Die neue Technik ermöglicht die räumliche Darstellung der Gotteshäuser in einem dreidimensionalen Modell. Dies erleichtert nicht nur die Behebung von Schäden oder gar einen Wiederaufbau zerstörter Holzkirchen. Kommt es zu einem Brand, sollen die digitalen Modelle auch Feuerwehrleuten bei der Orientierung helfen, berichten tschechische Medien.

Die Digitalisierung der ersten Holzkirche ist soeben fertig gestellt worden. Anstoß für die Aktion gab der Brand der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Fronleichnamskirche in Guty im Vorjahr. Das Gotteshaus war nach einer Brandstiftung niedergebrannt. Dabei wurde auch die komplette historische Inneneinrichtung sowie Bilder aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zerstört.

Um auch nur die Ausmaße des abgebrannten Gotteshauses sicherzustellen, musste der für die Errichtung einer Replik zuständige Architekt Antonin Zavada die verkohlten Überreste untersuchen und sie in eine ungenaue Dokumentation aus den 1950er Jahren eintragen.

Eine kartografische Aufnahme und kunsthistorische Dokumentation der kirchlichen Holzbauten in der Tschechischen Republik hat im Jahr 2015 der Architekt Karel Kuča in Buchform vorgelegt. Insgesamt zählte er 330 zur Gänze oder zur Hälfte aus Holz errichtete Kirchen, Kapellen und Glockentürmen. Davon sind 37 Kirchen und 38 Kapellen, das Gros der Bauten hingegen machen hölzerne Glockentürme aus.

Als bedeutendster Bau gilt die Marienkirche in Broumov an der polnischen Grenze. Aus der Analyse der Baumquerschnitte konnte die Bauzeit mit dem Winter 1436/37 ermittelt werden, mithin das Ende der Hussitenkriege.

Die meisten sakralen Holzbauten in Tschechien finden sich in den waldreichen Grenzgebieten zu Polen und der Slowakei. Die Errichtung neuer Holzkirchen ist auch in jüngerer Zeit nicht völlig zum Erliegen gekommen. Die 2005 fertig gestellte Antoniuskapelle in der Ortschaft Černá bei Velké Meziříčí legt in ihrer radikalen Modernität davon Zeugnis ab. In Prag erinnert am Abhang des Petřín eine dorthin übertragene Kapelle aus der Karpato-Ukraine an die Erstreckung der Tschechoslowakei nach Osten in der Ersten Republik. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)