Slowakei: Europäische Gesellschaft für Theologie hat neuen Vorsitzenden

Der slowakische Jesuit Miloš Lichner ist neuer Präsident der Europäischen Gesellschaft für Theologie. Lichner, der als einer der Wegbereiter der Öffnung der theologischen Forschung in der Slowakei zum Westen hin gilt, wurde am vergangenen Wochenende zum Abschluss eines großen Kongresses des Theologen-Verbunds in Bratislava gewählt. Er folgt in dem Amt auf die französische Theologin Marie-Jo Thiel und war schon bisher Vizepräsident der Europäischen Gesellschaft für Theologie.

An der Konferenz zum Thema „Hoffnung“ nahmen am 30./31. August 240 Theologen aus 25 Ländern teil. Einen besonderen Akzent erhielt die Veranstaltung durch die Teilnahme des Luxemburger Erzbischofs und Vorsitzenden der EU-Bischofskommission ComECE, Jean-Claude Hollerich. Papst Franziskus kündigte am 1. September in Rom Hollerichs Erhebung zum Kardinal an.

„Ohne Hoffnung würden wir in der Vergangenheit und unseren Vorstellungen steckenbleiben“, betonte Hollerich nach slowakischen Medienberichten bei der Konferenz: „Wenn wir aber Hoffnung haben, können wir versuchen, uns mit anderen zu verbünden und gemeinsam Probleme zu lösen.“ Christen sollten ihre Hoffnung auf Gott setzen, doch es gebe „auch irdische Fragen, auf die man reagieren“ müsse, etwa die Bewahrung der Umwelt.

Ausdrücklich unterstützte der designierte Kardinal das kritische Denken von Theologen. Mitunter sei dieses „eine Herausforderung auch für uns Bischöfe“, doch sei es gut, „es den Theologen zu überlassen, sich diesen Themen zu widmen“, meinte Hollerich. Er sei dafür dankbar, denn die Bischöfe bräuchten „diese Rückbindung und den Fortschritt"“

Auch der Erzbischof von Bratislava und Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, Stanislav Zvolenský, unterstrich die große Herausforderung an die Theologen, „über Gott und das ewige Leben zu reden für den Menschen, der vielleicht nicht eindeutig die Offenbarung Gottes leugnet, für den es aber nicht ganz selbstverständlich ist, eine Hoffnung in Gott zu haben oder in dem, was Gott schenkt“.

Der am Ende des Kongresses zum neuen Vorsitzenden der Europäischen Gesellschaft für Theologie gewählte Jesuit Lichner war von 2012 bis 2019 Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Trnava in Bratislava. Der im Frühjahr aus dem Amt geschiedene slowakische Staatspräsident Andrej Kiska ernannte Lichner noch in einer seiner letzten Amtshandlungen zum ordentlichen Professor. Aufmerksamkeit auch außerhalb der Kirche erregt auch Lichners Engagement im christlich-jüdischen Dialog. Am 16. April war der Jesuit einer der Mitunterzeichner für die Gründung eines Instituts für jüdische Studien an der Universität Trnava in Zusammenarbeit mit der Slowakischen Akademie der Wissenschaften.

Lichner ist Jahrgang 1971. Ohne Scheu vor der Öffentlichkeit, aber auch ohne zu provozieren, ist der Spezialist für die frühchristliche Glaubenslehre und die Kirchenväter überzeugt, dass gerade die Bibelarbeit einen Beitrag zum „aggiornamento“ der katholischen Kirche in der Slowakei führen kann.

Die theologische Forschung in der Slowakei „schreite voran“ und erreiche mittlerweile „europäisches Niveau“, dürfe aber nicht „alleingelassen werden“, sagte die bisherige Vorsitzende der Europäischen Gesellschaft für Theologie, Marie-Jo Thiel, in Bratislava. Der „Schlüssel zum Erfolg“ liege in der internationalen Zusammenarbeit. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)