Slowakei: 50‘000 Teilnehmer an Pro-Life-Marsch

In Bratislava haben am 22. September rund 50‘000 Menschen für strengere Gesetze gegen Abtreibung demonstriert. Unter dem Motto „Für die Kleinsten unter uns“ zogen sie um das Präsidentschaftspalais und das Regierungsgebäude. Organisiert wurde der Marsch von der Slowakischen Bischofskonferenz und der von ihr zur Umsetzung von Projekten geschaffenen Organisation Kanet. Nach 2015 in Bratislava und 2013 in Košice ist dies die dritte große Demonstration dieser Art.

Die Demonstranten forderten, die Frist für legale Schwangerschaftsabbrüche herunterzusetzen oder ganz abzuschaffen. Bisher erlaubt das Gesetz Abtreibungen bis zur zwölften Woche. Zudem wünschen sie bessere Information und begleitende Maßnahmen, um Frauen von Abtreibungen abzuhalten. Beim Marsch sollten stärker als bisher positive Aspekte des Lebensschutzes betont werden, wie Stanislav Zvolenský, Erzbischof von Bratislava und Vorsitzender der Slowakischen Bischofskonferenz, betonte. Die Teilnehmenden waren aufgerufen, sich nicht aggressiv oder beleidigend zu äußern. Insbesondere distanzierten sich die Organisatoren von Äußerungen, die zu einer „Unterdrückung von Menschrechten und Freiheiten“ führen könnten.

In einem Gottesdienst im Rahmen des Marsches überbrachte Erzbischof Zvolenský den Teilnehmenden Segenswünsche von Papst Franziskus. Erzbischof Bernard Bober von Košice bezeichnete in seiner Predigt Abtreibungen – das „Hinschlachten der ungeborenen Kinder“ – als den „größten Feind in den westlichen Gesellschaften“. Die „Führer der Welt“ sprächen zwar über Frieden und verurteilten Krieg und Mord, würden aber nicht zugeben, dass Schwangerschaftsabbruch „ein direkter Krieg, ein direktes Umbringen, ein direkter Mord ist, bei dem mehr Menschen sterben als in bewaffneten Konflikten“.

Zwei Wochen vor der Demonstration hatten die katholischen Bischöfe des Landes in einem in allen katholischen Kirchen des Landes verlesenen Hirtenbrief zur Teilnahme am Marsch aufgerufen. Mit Blick auf die damals im slowakischen Parlament hängigen Gesetzesanpassungen zum Schwangerschaftsabbruch fügte der Erzbischof von Trnava, Ján Orosch, seinem Aufruf zur Teilnahme einen Aufruf an die Abgeordneten hinzu. Die Abtreibungsgegner unter ihnen sollten sich „mit Klugheit und Besonnenheit um eine Einigung auf jenen Entwurf“ bemühen, der „eine Chance hat, bei der Abstimmung im Parlament durchzukommen“. Im Parlament waren vier Vorschläge für eine Anpassung des Abtreibungsgesetzes hängig, einer von der Partei der Gewöhnlichen Leute und unabhängigen Bürger (OLaNO), einer von der Partei Wir sind Familie (Sme rodina), einer von der rechtsextremen Volkspartei – Unsere Slowakei (LSNS) und einer vom parteilosen Abgeordneten Richard Vašečka. Sie forderten eine Verkürzung der Frist, ein weitgehendes Verbot von Abtreibungen oder einen Ausbau von Unterstützungsangeboten für Schwangere. Am 25. September lehnte das Parlament jedoch alle Vorschläge ab.

Noch im Sommer hatten die beiden großen Regierungsparteien – die Sozialdemokraten (Smer-SD) und die Slowakische Nationalpartei (SNS) – selbst eine Verschärfung des Gesetzes befürwortet. Ende August änderten jedoch beide Parteien ihre Meinung, sie zweifelten am Bedarf einer Neuregelung, da die Zahl der Abtreibungen seit langem kontinuierlich sinke. Besonders die Smer-SD hatte für ihre Unterstützung viel öffentliche Kritik einstecken müssen. Die dritte Koalitionspartei Brücke (Most-Hid) hatte die Gesetzesanpassung von Anfang an abgelehnt. In der Slowakei sind zwar 66 Prozent der Bevölkerung katholisch, eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes befürworten jedoch laut einer Umfrage eines unabhängigen Meinungsforschungsinstituts nur 11,6 Prozent. (Mit Material von Kathpress)