Slowakei: Holocaust-Gedenkaktion erinnert an couragierten Pfarrer

Der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar wurde in der slowakischen Stadt Banská Bystrica mit einer Lesung von Appellen an Jozef Tiso, den Präsidenten des Slowakischen Staats der Kriegsjahre 1939 bis 1945, begangen. Der Priester-Politiker hatte die Deportation und Vernichtung von rund 70'000 slowakischen Staatsbürgern jüdischer Abstammung zugelassen. Mutige Christen und andere Humanisten hatten versucht, Tiso Einhalt zu gebieten und dadurch den Zorn des faschistischen Regimes auf sich gezogen.

Ein Beispiel dafür ist ein evangelischer Pfarrer, der in der Ostslowakei aus Transportzügen in eines der Vernichtungslager in Polen das Schreien von Kindern gehört hatte und daraufhin begann, Juden in die Matriken einzutragen, womit er einigen Dutzend Gefährdeten das Leben retten konnte. Er bekannte sich zu seiner Aktion, indem er über sie den slowakischen "Führer" informierte - ohne Antwort zu erhalten. Dušan Kováč, der Sohn jenes evangelischen Pfarrers, berichtete in einem Fernsehinterview mit der öffentlich-rechtlichen Anstalt STV, sein Vater sei daraufhin verurteilt, seiner Funktion entledigt und ins mittelslowakische Banská Bystrica versetzt worden. Dort beteiligte er sich aktiv an der Vorbereitung des slowakischen Nationalaufstands, der einzigen militärischen Erhebung gegen den Hitlerfaschismus. Nichtsdestotrotz wurde er auch nach der kommunistischen Machtergreifung von 1948, die sich auf den Nationalaufstand berief, abermals suspendiert und wegen staatsfeindlicher Betätigung eingesperrt. Sein Vater habe "nie mehr sein geistliches Amt ausüben können" und sei "ein Bürger zweiter Klasse geblieben", so Kováč.

Die Lesung in Banská Bystrica unterschied sich von ähnlichen Aktionen zum Holocaust-Gedenktag dadurch, dass sie auch tagespolitisch aktuell war. Im Kreis Banská Bystrica regierte von 2013 bis 2017 als Landeshauptmann der offen rechtsextreme Marian Kotleba, der in der Wertschätzung des Tiso-Staats mit der Slowakischen Nationalpartei von Parlamentspräsident Andrej Danko, aber auch Teilen des christ- und sozialdemokratischen Lagers wetteifert.

Derzeit ist Kotleba einer von 14 Abgeordneten seiner "Volkspartei - Unsere Slowakei" (LS NS) im slowakischen Nationalrat, wo er den parlamentarischen Ausschuss für Verteidigung und Sicherheit leitet. Nach einer Romreise sagte Kotleba in einem Videoclip, er verstehe sehr gut, "dass der Kampf um traditionelle Werte riesige Komplikationen mit sich bringt, ohne Rücksicht darauf, ob es sich um einen Studenten, Lehrer, Arbeiter, Polizisten, Priester oder Bischof handelt". Der Kampf gegen die "muslimische Invasion, den totalen Angriff auf traditionelle christliche Werte und die LGBT-Propaganda" müsse aber rasant aufgenommen werden. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)