Ungarn: Tagung in Pannonhalma nahm Kinderschutz in den Blick

Mehr als 500 Vertreter staatlicher und kirchlicher Schulen sowie aus Fachverbänden haben in Ungarn an einer großen Kinderschutz-Tagung der Benediktiner-Erzabtei Pannonhalma und der Stiftung „Hintalovon“ („Schaukelpferd“) teilgenommen. Ziel sei gewesen, „alle zu ermutigen, die Wirklichkeit zu sehen und die Wahrheit ohne Wenn und Aber auszusprechen“, zog Pater Konrád Dejcsics von der Abtei Pannonhalma im Kathpress-Interview Bilanz über die zweitägige Veranstaltung (15./16. Oktober) an der auch Vertreter aus Regierung und Vatikan teilnahmen. „Man darf sich vor der realen Situation des Missbrauchs in Kirchen, Schule und anderen Organisationen nicht verschließen. Anstatt die Fassaden aufrechtzuerhalten muss man sich auf die Kinder konzentrieren“, betonte Dejcsics.

Die Tagung zeige, dass der Kinderschutz über alle Grenzen von Parteipolitik oder Weltanschauungen ein wichtiges Anliegen sei, sagte Pannonhalma-Erzabt Cirill Hortobágyi zur Eröffnung der Konferenz. Die gemeinsame Arbeit dafür, dass Kinderschutz „zu einem heiligen Anliegen wird, für das Menschen gemeinsam auftreten und aktiv werden“, sei wichtigste Botschaft der Tagung. Tamás Fabiny, Präses-Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Ungarn sprach sich für einen ökumenischen Zusammenschluss für den Kinderschutz aus.

Der auf Vorschlag von Staatspräsident János Áder vom Parlament neu eingesetzte ungarische Grundrechte-Beauftragte Ákos Kozma betonte in seinem Beitrag, dass Missbrauch und Gewalt in Schulen ernst genommen werden müssen. „Es muss eindeutig ausgesprochen werden, dass Gewalt unzulässig ist und es dafür keine Ausreden gibt. Den Opfern muss Beistand geleistet werden.“

Ehrengast der Konferenz war der dieses Jahr zum Vatikanreferenten für Kinderschutz ernannte Sekretär der päpstlichen Kinderschutzkommission, der US-amerikanische Geistliche und Kirchenrechtler Robert Oliver. „Wir müssen uns dem Problem von Missbrauch und Gewalt stellen, einander unterstützen, die Opfer anhören und wir dürfen nicht schweigen“, betonte auch er.

Referentin der Tagung war auch die Österreicherin Astrid Winkler, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Rechte der Kinder vor sexueller Ausbeutung ECPAT Austria. Sie rief zu mehr öffentlicher Aufmerksamkeit für den Kinderschutz auf. Nach ihren Angaben stirbt weltweit alle fünf Minuten ein Kind in Folge von Gewalt. Nach Schätzungen des UNO-Kinderhilfswerks Unicef werden zudem weltweit zwei Millionen Mädchen und Buben sexuell ausgebeutet. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)