Estland: Einsparungen treffen die Militärseelsorge hart

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Estlands Verteidigungsstreitkräfte planen aus Kostengründen die Zahl ihrer Mitarbeitenden um 200 Personen zu reduzieren. Die geplanten Entlassungen betreffen das 40-köpfige Orchester und die Militärseelsorge. Die beiden Bereiche zusammen machen etwa 10 Prozent des Kürzungsbedarfs aus. Von den aktuell rund zehn Militärseelsorgern sollen nur zwei bleiben. Die Befürworter der Sparmaßnahme führen eine Umfrage an, laut der nur 3,3 Prozent der Wehrpflichtigen die Militärseelsorge in Anspruch genommen hätten.

Der Präsident des Rats Estnischer Kirchen (EKN), Erzbischof em. Andres Põder, bat vor der endgültigen Entscheidung den Herbst abzuwarten, weil sich bis dahin die Wirtschaftsindikatoren des Landes noch positiv entwickeln können. Als eine weitere Möglichkeit schlug Põder vor, Kapläne direkt im Verteidigungsministerium anzustellen, wie es im Sozialministerium im Bereich der Krankenhausseelsorge erfolgt ist. Sollten die Vorschläge keine politische Unterstützung finden, wolle die EKN sich an die Bündnispartner in der NATO wenden und um finanzielle Unterstützung für die Fortsetzung der Militärseelsorge in den estnischen Streitkräften bitten. Generalleutnant Martin Herem, Kommandeur der Streitkräfte, hatte in einer Radiosendung gesagt, dass die Kapläne im Amt bleiben könnten, wenn die Ressourcen von außen kämen.

Erzbischof em. Põder schrieb an die Premierministerin, den Parlamentspräsidenten und die Vorsitzenden der politischen Parteien, dass tendenziell der Eindruck entstehe, dass hinter den Entlassungen in der Militärseelsorge vor allem ideologische und weltanschauliche Gründe stehen und damit die Religionsfreiheit in den Verteidigungskräften im Gefahr sei. Die Aufgaben der Militärseelsorge könnten nicht einfach von ehrenamtlichen Seelsorgern, Psychologen und Sozialarbeitern übernommen werden, wie vielfach vorgeschlagen. (Quelle: www.gustav-adolf-werk.de, 17. Juni 2021)

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