Polen: 360 Grad-Tour durch orthodoxe Kathedrale

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Eine neue virtuelle 360 Grad-Tour durch die orthodoxe Kathedrale von Warschau sorgt derzeit in der orthodoxen Öffentlichkeit weit über Polen hinaus für positive Resonanz. Zudem lenkt das Angebot das öffentliche Interesse auf die kleine und meist kaum beachtete autokephale Polnische Orthodoxe Kirche im vermeintlich rein „katholischen“ Polen, wie der Pro Oriente-Informationsdienst mitteilte. Die Warschauer Kathedrale wurde 1869 eröffnet, um den Bedürfnissen der damals wachsenden russischen Gemeinde zu dienen, da es noch keine eigenständige Polnische Orthodoxe Kirche gab. Sie dient nun als Kathedrale der Eparchie Warschau und ist die Hauptkathedrale der Polnischen Orthodoxen Kirche. Virtuell besichtigen kann man sowohl die Ober- als auch die Unterkirche.

In Warschau gibt es drei orthodoxe Kirchen. Neben der Kathedrale noch die 1905 erbaute Ioannes-Klimakos-Kirche und seit Kurzem die „Hagia Sophia“-Kathedrale. Die neue Warschauer „Hagia Sophia“ wurde nach dem Plan der Basilika der Hagia Sophia in Konstantinopel errichtet. Zur Grundsteinlegung im Dezember 2015 war eigens der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., angereist. Im September 2020 erfolgte bereits die feierliche Weihe der Kirche, mit der Innenausstattung ist man allerdings noch nicht fertig.

In Polen leben rund 600‘000 orthodoxe Christen, die meisten in den östlichen Landesteilen. In Warschau wird die Zahl der Orthodoxen auf gut 30‘000 geschätzt. Oberhaupt der Polnischen Orthodoxen Kirche ist Metropolit Sawa (Hrycuniak). Die orthodoxen Christen polnischer Abstammung gehörten sehr lange zur Metropolie von Kiew, die bis 1686 dem Ökumenischen Patriarchat unterstand und danach in das Moskauer Patriarchat integriert wurde. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren sie Teil der Russischen Orthodoxen Kirche.

Mit der Wiedererrichtung Polens als unabhängiger Staat 1918 kam es zu Autokephaliebestrebungen der polnischen orthodoxen Bischöfe, die von staatlicher Seite unterstützt wurden. 1921 verlieh der Moskauer Patriarch Tichon der Orthodoxen Kirche von Polen den Autonomie-Status, eine vollständige Unabhängigkeit wurde vom Moskauer Patriarchat aber abgelehnt. 1924 wurde dann aber die Autokephalie der Polnischen Orthodoxen Kirche vom Ökumenischen Patriarchen Grigorios VII. anerkannt. Die Russische Orthodoxe Kirche widersetzte sich zunächst diesem Schritt; im Jahr 1948 wurde schließlich auch vom Moskauer Patriarchat die Kirche von Polen für autokephal erklärt. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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