Slowakei: Orthodoxe Kirche kritisiert Corona-Maßnahmen

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Auch die orthodoxe Kirche in der Slowakei hat sich kritisch zu den Corona-Maßnahmen der Regierung geäußert. Die Einschränkungen würden ohne Austausch mit den Religionsgemeinschaften beschlossen, aber das liturgische und pastorale Leben dieser Gruppen deutlich beschränken. Das sei „unangemessen und einseitig“, erklärten Metropolit Rastislav (Gont) von Prešov, der Leiter der Orthodoxen Kirche der Tschechischen Länder und der Slowakei, und Erzbischof Juraj (Stránský) von Michalovce und Košice. Damit schließen sie sich der Kritik von anderen Kirchenleitern an.

In einem Pressestatement unterstützen die Hierarchen die Initiative des früheren Außenministers und EU-Kommissars Ján Figel‘, der beim Generalstaatsanwalt und beim Europäischen Gericht für Menschenrechte Beschwerde eingereicht hat. Die staatlichen Regulierungen würden nicht nur öffentliche Gottesdienste praktisch verunmöglichen, sondern auch individuelle pastorale Dienste. Die Bischöfe teilen Figel’s Ansicht, dass es sich dabei um eine unrechtmäßige Einmischung ins religiöse Leben handle. Die Hierarchen wollen dem Staat nicht das Recht zu Regulierungen absprechen, wünschen sich aber mehr Respekt für das religiöse Leben. Die christlichen Kirchen in der Slowakei hätten bewiesen, aus Respekt für das Leben zu verantwortungsvollem und aufopferndem Verhalten fähig zu sein. Daher wäre es „richtig, wenn die Staatsmacht den Kirchen gegenüber wenigstens so viel Respekt zeigen würde, wie die Kirchen bisher Verständnis gezeigt haben“.

In der Slowakei gilt seit dem 1. Oktober ein Ausnahmezustand, der mehrmals verlängert wurde. Zuletzt entschied die Regierung am 17. März, ihn um weitere 40 Tage zu verlängern. Dagegen legte die oppositionelle Partei Smer-SD beim Verfassungsgericht Beschwerde ein. In der aktuellen Gefahr durch die Coronavirus-Pandemie für Leben und Gesundheit sah das Verfassungsgericht aber „begründete Bedingungen“ für die Verabschiedung der betreffenden Regelungen. Der Generalstaatsanwalt Maroš Žilinka hatte außerdem Beschwerde gegen obligatorische Massentests und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit eingereicht. Laut dem Verfassungsgericht ist in dem Fall die Notwendigkeit der Einschränkungen angesichts der Bedrohung ebenfalls gegeben und somit widersprechen sie der Verfassung nicht.

Die Initiative Figel’s wird auch von den katholischen Bischöfen unterstützt. Schon an ihrer Vollversammlung im Februar kritisierten sie die staatlichen Maßnahmen. Sie wandten sich zudem mit einem offenen Brief an die Regierung, um das Verbot öffentlicher Gottesdienste und die inkonsistente Politik zu beklagen. Später regte der griechisch-katholische Erzbischof Cyril Vasil an, wenigstens geimpfte und von Covid-19 genesene Menschen wieder an Gottesdienste zu lassen. Damit sollte ein Kompromiss erreicht werden, um zumindest teilweise wieder ein liturgisches Leben zu ermöglichen. Inzwischen unterstützt auch die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses die Initiative. Generalbischof Ivan El‘ko ist überzeugt, dass die Bürger*innen eher bereit wären, dem Staat zu vertrauen, und motivierter für eine gemeinsame Strategie wären, wenn rechtsstaatliche Prinzipien eingehalten würden. Ende März entschied die Regierung, die Kirchen zumindest zum individuellen Gebet öffnen zu lassen. Zudem ist es trotz des allgemeinen Ausgehverbots erlaubt, die Bezirksgrenzen zu überschreiten, um individuelle geistliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. (mit Material von Kathpress) (NÖK)

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