Bulgarien: Kirche sagt Teilnahme an Ausstellung im Louvre ab

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Die für Sommer 2020 im Louvre in Paris geplante Ausstellung „Kunst und Kultur Bulgariens des 16. bis 18. Jahrhunderts“ wird abgesagt. Darüber informierte der bulgarische Kulturminister Boil Banov nach seinem Treffen mit der französischen Botschafterin Florence Robine am 12. Februar. Zu dieser Entscheidung kam es infolge der Stellungnahme des Direktors des Instituts für die Erforschung der Kunst an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Emanuel Mutafov, die am 6. Februar veröffentlicht wurde und eine Welle der Empörung in der bulgarischen Gesellschaft auslöste. Mutafov kritisierte scharf die Idee der Ausstellung, Wechselwirkungen zwischen christlicher und islamischer Kunst zu zeigen, sowie die Absicht der französischen Organisatoren, sie in der Abteilung für islamische Kunst des Museums unterzubringen. An den Hl. Synod der Bulgarischen Orthodoxen Kirche, die Museen und den Kulturminister appellierte er, keine Ausstellungsstücke zur Verfügung zu stellen, da das Konzept der französischen Organisatoren nicht der Position des bulgarischen Staates entsprechen würde. In diesem Konzept sah er „das berüchtigte westeuropäische Verhältnis zu uns als Teil einer europäischen Türkei“. Diese geopolitische Idee liege dem heutigen Neoosmanismus zugrunde, so Mutafov.

Als am 10. Februar bekannt wurde, dass die Bulgarische Orthodoxe Kirche die 16 angeforderten sakralen Objekte (Ikonen, Kreuze, Weihrauchgefässe, Beschläge aus Metall für die Evangeliare usw.) nicht zur Verfügung stellen will, sprach sich auch der Kulturminister Banov für die Absage der Ausstellung in dieser Form und für eine Ausstellung mit einem anderem Schwerpunkt aus, obwohl er in den vorangegangenen Tagen die Begründung von Mutafov und von anderen Wissenschaftlern als unseriös bezeichnet hatte.

Am 19. Februar erklärte der Sekretär des Hl. Synods, Bischof Gerasim (Georgiev), in einem Fernsehen-Interview die Gründe für die Absage. An erster Stelle wies er darauf hin, dass der synodale Beschluss schon am 20. Januar lange vor der öffentlichen Debatte gefasst und daher von dieser nicht beeinflusst worden sei. Er hob hervor, dass es sich um eine prinzipielle Haltung des Synods handle, der auch in der Vergangenheit solche Anfragen restriktiv behandelt habe. Als Grund nannte er die Erfahrung, dass man in Westeuropa die Ikonen nicht als heilige Objekte, sondern lediglich als Kunstwerke behandle, was viele Orthodoxe beunruhige. Ferner erwähnte er als Grund Unklarheiten in Fragen des Transports und der Versicherung, denn die Verwaltung des Louvre habe lediglich die Versicherung in Frankreich übernehmen wollen. Auf Nachfragen von Journalisten räumte er ein, dass die Entscheidung wesentlich durch die schriftliche Stellungnahme des Direktors des Synodalen Instituts für Kirchengeschichte und Archive, Hristo Temelski, beeinflusst sei. Temelskis Meinung sei ähnlich wie diese von Mutafov. Auch er bemängle, dass die Ausstellung in der Abteilung für Islamische Kunst eingerichtet werden solle. Zudem kritisierte Bischof Gerasim die Thesen einiger westlicher Forscher, dass die islamische Kunst je Einfluss auf die orthodoxe Kunst ausgeübt hätte.

Vladislav Atanassov

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