Bulgarien: Metropolit Amvrosij von Dorostol an Covid-19 gestorben

Metropolit Amvrosij (Paraškevov) von Dorostol ist am 18. August an Covid-19 gestorben, wie der Hl. Synod der Bulgarischen Orthodoxen Kirche (BOK) am gleichen Tag bekannt gab. Der Metropolit war am 5. August in einem kritischen Zustand ins Krankenhaus eingeliefert worden, zusammen mit seinem Protosingel, Dobri Čakov, der ebenfalls an COVID-19 erkrankt war. Während letzterer die Krankheit überlebte, verschlechterte sich der Gesundheitszustand des 78-jährigen Metropoliten jedoch rasant. Bis zur Wahl eines neuen Metropoliten wird der Hl. Synod einen Interimsverweser bestimmen.

Im Vergleich zu anderen ranghohen Klerikern der BOK hatte Metropolit Amvrosij einen eher untypischen Lebenslauf: Geboren wurde er 1942 als Aleksandar Paraškevov und studierte später Chemieingenieurwesen. Lange Zeit arbeitete er als Ingenieur, doch nach der Scheidung von seiner Frau entschied er sich 1983, Mönch zu werden und Theologie zu studieren. 1994 wurde er während der Kirchenspaltung vom sog. Alternativen Synod der „Spalter“ zum Bischof geweiht. Nachdem Amvrosij 1998 der Spaltung abgeschworen hatte, wurde ihm die Bischofswürde 1998 auch vom kanonischen Synod anerkannt. Im Januar 2010 erfolgte seine Wahl zum Metropoliten von Dorostol, was insofern eher eine Ausnahme war, als die BOK aus den Reihen der Spalter kommende Bischöfe kaum als Synodalmitglieder zuließ. Seine persönlichen Eigenschaften aber brachten Amvrosij sowohl Anerkennung im Hl. Synod als auch unter den Gläubigen. Sein Ansehen wuchs noch, als 2012 bekannt wurde, dass er zu den vier der insgesamt 15 Mitglieder des Hl. Synods gehörte, die zu kommunistischer Zeit nicht in eine Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit verstrickt waren.

Der Tod des Metropoliten fällt mit einer deutlichen Zunahme der Coronavirus-Infektionen in Bulgarien in den letzten Wochen zusammen. Lange Zeit verzeichnete das Land lediglich eine geringe Infektionszahl. Nichtdestotrotz hatte die bulgarische Regierung schon Anfang März sehr strenge Maßnahmen eingeführt, was gesellschaftliche Debatten auslöste. Die Kirche wurde kritisiert, weil sie zwar Hygienemaßnahmen während des Gottesdienstes umsetzte, aber auf die Praxis der Kommunionausteilung mit einem Löffel nicht verzichten wollte. Zudem behaupteten manche kirchlichen Vertreter wie Metropolit Gavriil (Dinev) von Loveč, dass sich die wahrhaft Gläubigen während des Gottesdienstes nicht infizieren könnten.

Auch innerhalb der Kirche gab es hitzige Diskussionen über die Ansteckungsgefahr während der Kommunion. Nicht wenige forderten den Gebrauch von mehreren Löffeln und wiesen auf die Veränderungen der Abendmahlspraxis im Laufe der Jahrhunderte hin. Ihre Kontrahenten sahen dies jedoch als Abweichung von der Orthodoxie und setzten sich letztendlich durch. Dabei zeigten sich sowohl Fundamentalisten als auch als liberal geltende Vertreter der eucharistischen Theologie einig, dass durch die heiligen Gaben keine Infektion stattfinden könne. Nur wenige – wie der Priester und Theologiedozent Theodor Stojčev – trauten sich zu sagen, dass man sich auch durch die Hl. Gaben anstecken könnte.

Vladislav Atanassov

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