Bulgarien: Orthodoxe Kirche ruft Teilnehmer der Sofia Pride zur Umkehr auf

Am Vorabend der „Sofia Pride“ hat der Hl. Synod der Bulgarischen Orthodoxen Kirche (BOK) seine Sorge über die Veranstaltung geäußert. Die diesjährige Parade fand am 12. Juni statt, seit 2008 wird sie jährlich von der LGBTQ-Bewegung in Bulgarien organisiert. In seiner Erklärung teilte der Hl. Synod mit, dass er mit „außerordentlicher Besorgnis” erfahren habe, dass die Gay-Parade in der Stadt der Allweisheit Gottes (Sofia) stattfinden werde, und appellierte, die Veranstaltung zu verhindern.

In der Erklärung wird hervorgehoben, dass Fleischessünden in der modernen Welt mehr denn je die Oberhand gewännen. Nur zwischen Mann und Frau gebe es ein natürliches Verhältnis und dieses solle sich lediglich in einer durch die Kirche gesegneten Ehe verwirklichen, ansonsten ereile der geistige Tod sowohl den einzelnen Menschen als Person als auch die Familie als konstitutives Glied der Gesellschaft. 

Der Hl. Synod betonte, dass er aus Liebe handle und nur aus Liebe würde er die „Veranstalter und die Teilnehmer der Parade der Sünde” aufrufen, „den Weg des Widernatürlichen” zu verlassen und den der Erlösung zu wählen. Er betonte, dass die Kirche die Menschen, die unter dem Einfluss des Bösen in diese schwere Sünde geraten seien, immer als ihre Kinder betrachten würde. Die Kirche wolle nicht die Menschen verurteilen, sondern die Sünde als solche entlarven. Diese Sünde würde nicht nur die einzelne Person bis zur Unkenntlichkeit zersetzen, sondern auch eine Menge Menschen verführen, wenn diese Sündhaftigkeit öffentlich demonstriert würde. 

Die Erklärung des Hl. Synods wurde von den Gläubigen erwartet, ja von nicht wenigen sogar gefordert, und ihre Publikation fand Zustimmung. Allerdings wurde auch die Kritik geäußert, dass der Hl. Synod nicht vor Gewalttaten und aggressiven Handlungen gewarnt habe, die die Gegner von LGBTQ-Veranstaltungen oft im Vorfeld oder während der Veranstaltungen ausübten. Deren Aktionen und Gegenprozessionen laufen in der Regel unter dem Motto des „Schutzes der christlichen Familie”. So kam es am 15. Mai zu erheblichen Spannungen zwischen den Teilnehmern der Burgas Pride und Gegendemonstranten für die Bewahrung traditioneller christlicher Werte, bei der neben bulgarischen Fahnen auch Kreuze geschwenkt wurden. Bestärkt wurden die Anti-Pride-Demonstranten durch Bischof Jerotej (Kossakov), Vikar des Metropoliten von Sliven Joanikij (Nedeltschev). Vor TV-Kameras rief er im Namen des Klerus seiner Eparchie die lokalen Behörden auf, die Pride-Parade nicht zuzulassen, da sie die traditionellen christlichen Familienwerte zerstöre.

Dennoch verlief die Sofia Pride 2021 ziemlich friedlich, ohne dass es zu größeren Auseinandersetzungen mit den Teilnehmern der Gegenprozession „Schutz der traditionellen christlichen Familie” kam.

Vladislav Atanassov

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