Kosovo: Kloster Visoki Dečani protestiert gegen Straßenbau

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Das orthodoxe Kloster Visoki Dečani sieht sich vom Ausbau einer nahegelegenen Straße bedroht, die zuständige Eparchie von Raška und Prizren hat in einer Mitteilung dagegen protestiert. Die Eparchie kritisiert, dass der Ausbau gegen kosovarische Gesetze verstoße, da sich die Straße in einer speziell geschützten Zone befinde. Trotzdem hätten die lokalen Behörden von Dečani eine intensive Bautätigkeit aufgenommen, ohne das Kloster oder die für die Sonderzone verantwortliche internationale Kommission zu informieren.

Bereits jetzt könnte laut der Eparchie der Verkehr schwerer Baumaschinen zu statischen Schäden an der Klosterkirche aus dem 14. Jahrhundert oder anderen Teilen des Klosters geführt haben. Das Kloster der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) nahe der Stadt Dečani im Westen Kosovos steht auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste. Das „offen feindliche Verhalten und die Zerstörung der Umwelt des Klosters“ durch kosovarische Institutionen sei ein Beweis für die „Bedrohung des serbischen religiösen und kulturellen Erbes in dieser Region“, heißt es in der Mitteilung. Die Eparchie will sich an die Vertreter der internationalen Gemeinschaft im Kosovo und im Ausland wenden, um das Kloster und seine Umgebung zu schützen.

Der Ausbau der Straße zu einer Magistrale hatte 2014 begonnen und wurde 2018 wieder aufgenommen. Die Behörden von Dečani wiesen die Kritik der Eparchie und des Klosters mit der Begründung zurück, sie würden die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde behindern. Bauentscheide können jedoch nur mit dem Einverständnis der internationalen Kommission für die Sonderschutzzone getroffen werden. Im Fall der Straße von Dečani nach Plav in Montenegro hat die Kommission ihr Einverständnis nicht gegeben, sondern es wurde eine Umgehungsstraße um die Sonderschutzzone herum vereinbart.

Das serbische Kulturministerium hat mit einer scharfen Verurteilung auf die Ereignisse reagiert. Das Vorgehen verstoße gegen kosovarische Vorschriften und ziele darauf, die „serbische Präsenz in der Gegend auszulöschen und zu zerstören“. Serbien werde gegenüber internationalen Institutionen und Organisationen alle möglichen Schritte unternehmen, um die Rechte der SOK im Kosovo und den Schutz des kulturellen Erbes zu wahren. Archimandrit Sava Janjić, der Abt von Visoki Dečani, wünscht sich jedoch ein stärkeres Engagement der serbischen Institutionen. Gegenüber dem Fernsehsender N1 betonte er, es gehe nicht um Forderungen des Klosters, sondern um Verpflichtungen der kosovarischen Institutionen entsprechend ihrer eigenen Gesetze. 2014 sei vereinbart worden, dass die bestehende Lokalstraße durch die Schutzzone so bleibe und die Magistrale das Gebiet umfahre. Die kosovarische Regierung habe die Umfahrungsstraße 2014 beschlossen und mit dem Bau begonnen, der dann aber abgebrochen worden sei. Zudem bemängelte Janjić, dass das Kloster die touristische Hauptattraktion der Gegend sei, aber die Gemeinde nichts für die Erschließung tue, es gebe nicht einmal ein Schild, das den Weg zum Kloster weise.

Der Bürgermeister von Dečani, Bashkim Ramosaj, kündigte an, dass die Arbeiten am Ausbau der Straße weitergeführt würden. Die Gesetze zum Schutz des Gebiets seien „ungerecht“ und den Bürgern der Gemeinde Dečani gegenüber „diskriminierend“. Von den zuständigen Institutionen, die „niemanden in diesem Land und besonders die Gemeinde Dečani respektieren“, verlangte er, auf seine früheren Forderungen einzugehen. Sie sollten die von ihnen geschaffene „Ungerechtigkeit“ korrigieren und „nicht die Stadt und die Zukunft des Landes missbrauchen“. Die Straße sei für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde zentral. Die 2014 beschlossene Umgehungsstraße bezeichnete er als abenteuerlich und etwas für Adrenalinjunkies, aber ungeeignet für den Transport von Waren und Menschen.

Mittlerweile wurden die Straßenarbeiten jeodch auf Geheiß des kosovarischen Premierministers Avdullah Hoti eingestellt. Er verstehe, wie wichtig die Straße sei, aber die Gesetze müssten befolgt werden. Außerdem sei Kosovo ein „Mosaik verschiedener Religionen und Kulturen“ und der Schutz religiöser Stätten sei eine Verpflichtung, die in der Tradition Kosovos verwurzelt sei. (NÖK)

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