Montenegro: Neuer Metropolit unter Protesten inthronisiert

. : Montenegro

Die Amtseinführung von Joanikije (Mićović) zum Metropoliten von Montenegro und den Küstenländern am 5. September in Cetinje ist von gewalttätigen Auseinandersetzungen überschattet worden. Schon tags zuvor kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Hunderten Demonstranten, die gegen Joanikijes Inthronisation protestierten. Sie durchbrachen eine Polizeiblockade am Ortseingang in Cetinje und bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen, während sie riefen „Das ist Montenegro“ und „Hier ist nicht Serbien“.

Am Tag der Inthronisation bauten sie Straßenbarrikaden aus brennenden Containern und Reifen, um die Teilnahme von staatlichen und kirchlichen Vertretern an der Feier zu verhindern. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor und feuerte in die Luft. Rund 60 Personen wurden laut des Krankenhauses in Cetinje verletzt, die Hälfte davon Polizeibeamte. Mindestens 15 Personen wurden verhaftet. Der serbische Patriarch Porfirije, der die Zeremonie leitete, Metropolit Joanikije sowie weitere Kirchenvertreter mussten mit einem Helikopter eingeflogen und von der Polizei eskortiert werden. Die Demonstranten bezeichneten die Wahl des Orts der Inthronisation – die alte Königs- und Hauptstadt – als Beleidung für den jahrhundertelangen Kampf um Souveränität und Unabhängigkeit Montenegros. Allerdings ist das Kloster von Cetinje der Sitz des Metropoliten von Montenegro und die große Mehrheit der Bevölkerung, ob sie sich als Montenegriner oder als Serben identifizieren, gehört der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) an.

Patriarch Porfirije reiste am Abend des 5. September mit „gemischten Gefühlen“ aus Montenegro ab. Er sei glücklich über die Inthronisation des Metropoliten „entsprechend dem Willen der Kirche und des Volks dieses Bistums“. Zugleich sei er „mehr als traurig, sogar entsetzt“, dass es Menschen gebe, die „diesen Akt der Liebe gegenüber allen mit dem Scharfschützengewehr zu verhindern beabsichtigten“. Er entschuldigte sich bei allen, die verletzt worden seien, und er bete für das Land und sein Volk und bitte es, für ihn zu beten. In einer Rede in der Auferstehungskathedrale in der Hauptstadt Podgorica nach seiner Rückkehr aus Cetinje bedauerte er die Ereignisse im Zusammenhang mit der Inthronisation, sie hätten Montenegro und seine Bürger belastet. Es sei „nicht schön, dass Montenegro, insbesondere die Stadt Cetinje, Botschaften übermittelt, dass jemand nicht willkommen ist“. Das gelte nicht nur für ihn, denn die angereisten Vertreter der orthodoxen Lokalkirchen hätten nicht an der Inthronisation teilnehmen können, um „unsere Freude zu vergrößern und Montenegro und uns allen Unterstützung zu leisten“.

An der Inthronisation bezeichnete Patriarch Porfirije die Aufgabe des neuen Metropoliten als „erhabenen und großen Dienst und große Ehre, aber auch große Verantwortung“. Von ihm werde – vom Hl. Synod der SOK, aber auch der gesamten Orthodoxen Kirche – erwartet, „Brücken zu bauen, dass Sie nicht fragen, wer wer ist, wie jemand heißt, zu welchem Volk er gehört, sondern dass Sie durch die Feier der Liturgie Frieden bezeugen und jedem Menschen die Kommunion spenden“. Er sagte dem neuen Metropoliten Widerstände voraus, er werde verfolgt und angegriffen werden, dies aber ertragen und trotzdem für alle beten. Das habe er bisher getan, und das werde er auch weiter tun.

Metropolit Joanikije sagte an der Feier, er nehme den Thron mit „ehrfürchtiger Angst, aber ermutigt vom leuchtenden Beispiel“ seiner Vorgänger an. Auch er stellte Frieden und Verständnis zwischen allen Menschen im Land in den Vordergrund. Als „größte und angenehmste Pflicht“ betrachte er die religiöse Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Er betonte, dass er die Trennung von Kirche und Staat achte, damit beide „ungestört ihre Arbeit tun können“. Das sei die beste Voraussetzung für ihre gute Zusammenarbeit zum „Wohl, Glück und Fortschritt des Volks“, dem beide dienten. Er respektiere den Staat und seine Institution, aber er werde sich nie mit Parteipolitik befassen. Sein Dienst habe jedoch viele Berührungspunkte mit dem Staat, so im kulturellen, sozialen, Bildungs- und Gesundheitsbereich. Letztlich wolle er gemeinsam mit den Geistlichen „maximal“ zur Verbesserung der Lebensqualität der ganzen Bevölkerung beitragen. (NÖK)

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