Nordmakedonien: Staatsführung bittet Patriarch Bartholomaios um Autokephalie

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Der Ministerpräsident von Nordmakedonien, Zoran Zaev, hat in einem Brief den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios gebeten, der orthodoxen Kirche seines Landes die Autokephalie zuzuerkennen. Sein Land fordere, innerhalb seiner Grenzen kirchlich frei zu sein, und dass seine Bischöfe mit den Bischöfen aller anderen orthodoxen Kirchen der Welt konzelebrieren können. Die Orthodoxen in Nordmakedonien hätten die kirchliche Unabhängigkeit verdient, so Zaev.

Eine gleichlautende Bitte hatte nur wenige Tage zuvor schon der nordmakedonische Präsident Stevo Pendarovski an Bartholomaios gerichtet. Er wende sich im Interesse eines großen Teils der nordmakedonischen Bürger, die sich als orthodox betrachten und mit ihrer Umgebung versöhnen wollen, an den Ökumenischen Patriarchen. Pendarovski rief ihn auf, sein „Vorrecht zu brauchen und unseren Bürgern orthodoxen Glaubens endlich die Gelegenheit zu geben, den anderen orthodoxen Christen in der Welt gleichgestellt zu sein“.

Bei den Bemühungen um Autokephalie geht es um die sog. Makedonische Orthodoxe Kirche (MOK), die sich 1967 von der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) abgespalten und einseitig für autokephal erklärt hat. Seit einer Beinahe-Einigung 2002 bestehen in Nordmakedonien die unkanonische, aber mitgliederstarke MOK und das Orthodoxe Erzbistum von Ohrid, das Teil der SOK ist, nebeneinander. 2017 hatte sich die MOK mit der Bitte an die Bulgarische Orthodoxe Kirche (BOK) gewandt, sie bei ihren Bemühungen um die Anerkennung ihrer Autokephalie zu unterstützen. Darauf war die BOK zwar – sehr zum Ärger der SOK und der Griechischen Orthodoxen Kirche – eingegangen, es kam aber zu keinen konkreten Fortschritten.

Im Januar 2020 besuchten Zoran Zaev und der damalige nordmakedonische Ministerpräsident Oliver Spasovski in dieser Frage Patriarch Bartholomaios in Istanbul. Dieser kündigte daraufhin an, Vertreter beider Kirchen zu Gesprächen einzuladen und nach Lösungen zu suchen. Zudem hatte die Bischofsversammlung der SOK an ihrer Sitzung im Mai 2019 entschieden, den Dialog mit der MOK weiterzuführen.

Der serbische Außenminister Ivica Dačić kritisierte die Einmischung der Staatsführung in kirchliche Angelegenheiten. Serbien wünsche zwar, dass es zu einer Einigung komme, dabei müssten aber die Regeln der orthodoxen Kirche respektiert werden. Er erwarte, dass der Ökumenische Patriarch sich ebenso verhalten werde wie im Fall der Montenegrinischen Orthodoxen Kirche, gegen deren Schaffung er sich ausgesprochen hatte. (NÖK)

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