Rumänien: Orthodoxe Kirche kritisiert Einschränkungen für Wallfahrt

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In Rumänien hat das Nationale Komitee für Notsituationen am 5. Oktober angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen Einschränkungen für religiöse Feiern und Ereignisse erlassen. Dementsprechend dürfen nur noch vor Ort Wohnende an religiösen Veranstaltungen teilnehmen, was Pilgerfahrten faktisch verbietet. Die Entscheidung fiel wenige Tage vor dem Beginn einer der größten religiösen Feiern in Rumänien, bei der Zehntausende zu den Reliquien der Hl. Paraskeva in Iaşi pilgern.

Die Erzdiözese von Iaşi kritisierte in einem Statement, dass Rumänen aus jedem beliebigen Grund außer der Pilgerreise und Reliquienverehrung in die Stadt reisen könnten. Die Rumänische Orthodoxe Kirche (RumOK) sei seit jeher im sozialen und Gesundheitsbereich aktiv und habe so bewiesen, dass sie sich um die physische Gesundheit der Menschen sorge. Allerdings sei die Kirche auch verpflichtet, sich jederzeit um die geistige Gesundheit der Gläubigen zu kümmern. Das gelte insbesondere für eine Zeit wie die jetzige, wenn Menschen aufgrund der aktuellen Situation mit negativen Gefühlen zu kämpfen hätten. Da die Kirche seit dem Beginn der Pandemie die Bemühungen der Gesundheitsbehörden unterstützt habe, wäre zu erwarten gewesen, dass diese auf ein verantwortungsvolles Verhalten der Gläubigen vertraut hätten.

Metropolit Teofan (Savu) von Moldau und der Bukowina warnte, die Einschränkung verletze das Recht auf Religionsfreiheit. Die „diskriminierende Maßnahme“ habe dazu geführt, dass sich bei der Metropolie mehr Polizisten als Gläubige aufhielten, erklärte er am 9. Oktober. Die Prozessionen zu Ehren der Hl. Paraskeva beginnen am 8. Oktober und erreichen am 14. Oktober ihren Höhepunkt. Seit ihre Reliquien 1641 in die Kathedrale von Iaşi überführt wurden, finden die Wallfahrten und Prozessionen jährlich statt. Auch Teofan betonte die Anstrengungen der RumOK zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und die „strengen Einschränkungen“, die Gläubige deshalb erdulden mussten, aber „alles hat eine Grenze“.

Auch der rumänische Patriarch Daniel kritisierte die Maßnahme als „unverhältnismäßig“ und „diskriminierend“, zudem sei sie ohne Absprache mit der RumOK angeordnet worden. Die Erzdiözese Iaşi habe sich „intensiv und sehr gründlich vorbereitet und dabei alle geltenden Hygienemaßnahmen berücksichtigt“. Die Vorbereitung und enge Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden „war eine Garantie“, dass die Wallfahrt „sowohl ein Beispiel von verantwortungsvollem Gesundheitsschutz als auch ein Ausdruck der Religionsfreiheit eines besonders gläubigen Volks ist“. Er hoffe, dass eine Reise nach Iaşi dank einer „gemeinsamen Verantwortung und Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche“ doch noch allen Pilgern ermöglicht werde.

Unklar ist, wie die Einhaltung der Maßnahme kontrolliert werden sollte, da sonst keine Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in Rumänien gelten. Trotz der Beteuerungen der RumOK befürchteten die Behörden, dass die Distanzregeln angesichts des jeweils großen Pilgeraufkommens nicht eingehalten werden könnten. Zudem würden zahlreiche Menschen die Kisten mit den Reliquien berühren oder küssen, was die Verbreitung des Coronavirus begünstigen könnte. (NÖK)

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