Slowenien: Bischof Saje: Null Toleranz bei Missbrauch

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Der neue Vorsitzende der Slowenischen Bischofskonferenz, Andrej Saje, hat das „Null-Toleranz-Prinzip“ gegenüber sexuellem Missbrauch in der Kirche bekräftigt. In einer Erklärung von Anfang April bat der Bischof von Novo Mesto Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche im Namen der Kirche um Entschuldigung und sprach ihnen wie ihren Familien sein Mitgefühl aus. Ausdrücklich forderte Saje ein Ende der „Praxis des Schweigens“ bei Missbrauch sowie der Herabwürdigung von Betroffenen. „Kein Opfer trägt die Schuld an dem Bösen, das ihm angetan wurde und das niemals hätte geschehen dürfen. Die volle Verantwortung liegt bei den Tätern“, betonte der Bischofskonferenz-Vorsitzende laut Nachrichtenagentur STA und der Kirchenzeitung Družina anlässlich eines Gebetstages für die Opfer von sexuellem Missbrauch im kirchlichen Umfeld und anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Betroffenen von Missbrauch zuzuhören, ihnen Schutz und sowohl emotional als auch spirituell Unterstützung anzubieten, bezeichnete Saje in der auf der Website der Slowenischen Bischofskonferenz veröffentlichten Erklärung als zentral für die Aufarbeitung. Dabei sei er sich bewusst, dass Erklärungen und Vorschriften allein die Wunden und den Schmerz der Menschen nicht heilen könnten, fügte der Bischof hinzu. Wieder frei zu leben, sei für Opfer von Missbrauch schwierig, solange Täter oder zumindest jene, die vom Missbrauch wussten, nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Der erst im vergangenen Herbst zum Bischof geweihte 55-jährige Saje wurde bei der jüngsten Vollversammlung der slowenischen Bischöfe im März zum Vorsitzenden gewählt. Die Kirche habe in der Vergangenheit wichtige Schritte unternommen, um Missbrauch aufzudecken und zu sanktionieren, hielt er nun fest. Der Weg zur Verhinderung derartiger krimineller Handlungen sei „lang und schwierig“. Die Kirche bemühe sich aber um die Veränderungen ihrer Strukturen. „Ich verpflichte mich, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um ein sicheres Umfeld zu schaffen“, betonte Saje. Die Kirche müsse „dem Menschen, dem Schutz seiner Würde und dem geistlichen Fortschritt dienen“.

Die Bischöfe in Slowenien hatten Anfang 2020 einen Fonds zur Finanzierung psychotherapeutischer Hilfe für Opfer sexuellen Missbrauchs eingerichtet. Seit Ende 2020 sind landesweit gültige Richtlinien zum Schutz Minderjähriger und schutzbedürftiger Erwachsener vor Missbrauch im kirchlichen Bereich in Kraft. Aus Sicht von Opferverbänden muss die Kirche aber mehr tun. Zuletzt forderte etwa der Opferverband „Dovolj je!“ (Es ist genug!) die Einrichtung einer angemessen finanzierten unabhängigen Kommission, die Fälle von mutmaßlichem sexuellem Missbrauch durch Geistliche untersuchen soll. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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