Serbien: Generalstab der Armee feiert erstmals Schutzpatron

Am 6. Mai 2018 hat der Generalstab der serbischen Armee zum ersten Mal seinen Schutzpatron, den Hl. Georg, gefeiert. Der Liturgie in der Kaserne Banjica 2 in Belgrad stand der serbische Patriarch Irinej vor, neben Armeegeistlichen nahmen auch ein Gesandter des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić, Verteidigungsminister Aleksandar Vulin, der Oberkommandierende der Streitkräfte sowie zahlreiche Offiziere teil.

Patriarch Irinej gratulierte im Anschluss an die Liturgie und freute sich „über diesen für unser Volk und unsere Armee historischen Tag“. Der Hl. Georg sei selbst Soldat und Heerführer gewesen und diese Tatsache flösse „allen große Hoffnung ein, dass wir trotz aller Widrigkeiten und aller Feindseligkeit, die uns umgibt, doch weiterbestehen werden, da wir nicht allein sind.“ Zum Schluss drückte der Patriarch die Hoffnung aus, das „wunderbare Beispiel“ werde in Zukunft in ganz Serbien weitergeführt, um eine größere Nähe der Menschen untereinander zu schaffen, denn „unsere Kraft liegt in unserer Einheit“.

General Ljubiša Diković erklärte vor den Gästen, der Generalstab habe begriffen, dass „wir uns und anderen durch den Glauben an Gott noch nützlicher sein können“. Es sei wichtig, dass „unsere Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten an Gott, die Wahrheit und den Staat, dem sie angehören, glauben und so fest werden wie der Hl Georg.“ Um solche Soldaten heranzuziehen, seien „diese Slava und dieser Tag“ notwendig.

Die Slava-Feier des Generalstabs hat jedoch auch Kritik hervorgerufen, da sie ein zunehmendes Vordringen der Religion in Serbiens offiziell säkulare staatliche Institutionen widerspiegele. Kritiker sehen im Begehen orthodoxer Feiertage mit religiösen Ritualen in staatlichen Institutionen einen Verstoß gegen die serbische Verfassung. So hält Rastislav Dinić, Publizist und Philosoph sowie Experte für politische Theorie von der Universität Niš, solche Feiern für problematisch, weil der „Pluralismus in der Gesellschaft und die Zusammensetzung der Streitkräfte“ nicht berücksichtigt würden.

Seit den 1990er Jahren haben staatliche Institutionen und Schulen in Serbien begonnen, Schutzpatrone zu feiern. Die Slava genannte Tradition war zuvor eine rein familiäre Angelegenheit, bei der der Schutzpatron der Familie an seinem Namenstag im Kreis von Verwandten und Freunden gefeiert wird. Besonders kontrovers sind die landesweiten Feiern am Tag des Hl. Sava als Slava der serbischen Schulen. Einige Vertreter nicht-christlicher Minderheiten und säkularer Gruppen betrachten es als unangebracht, dass alle einen orthodoxen Heiligen ehren müssen. Zudem haben serbische Politiker und Regierungsmitglieder begonnen, auch andere orthodoxe Traditionen bei der Ausübung ihres Amtes zu befolgen.

Dinić sieht in diesem Trend jedoch weniger eine Hinwendung zu Religion als einen Ausdruck der nationalen Identität, der suggeriert, dass Serbien in erster Linie das Land der Serben sei und andere Bürger an zweiter Stelle kämen. Da er das öffentliche Begehen orthodoxer Feiertage weniger als religiöses Ritual interpretiert, sondern als Symbol der (ethnischen) Identität, bezweifelt er auch, dass der Einfluss der Serbischen Orthodoxen Kirche steige.

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