Unabhängige Kirche in der Ukraine: Friendensgarant oder Kriegstreiber?


Regina ElsSophienkathedrale 300ner
ZOiS Spotlight 31/2018 (19. September 2018)

Eine „Kriegserklärung“ nannten am 8. September 2018 mehrere Vertreter der Russischen Orthodoxen Kirche die Entscheidung des Patriarchats von Konstantinopel, zwei Exarchen in die Ukraine zu entsenden, um die Gewährung der Autokephalie – der Unabhängigkeit einer ukrainischen orthodoxen Kirche – vorzubereiten. Metropolit Ilarion (Alfeev), Vorsitzender des Moskauer kirchlichen Außenamtes, sprach von einem „schändlichen, arglistigen, perfiden“ Schritt. Seither sind die Medien voll von Warnungen vor einem Religionskrieg und Spaltungen zwischen den Kirchen sowie Verschwörungstheorien über politische Hintermänner aus den USA und Russland.

Im April 2018 hatte sich der ukrainische Präsident Petro Poroschenko wiederholt mit der Bitte an den Patriarchen von Konstantinopel gewandt, einer geeinten ukrainischen orthodoxen Kirche die Autokephalie zu gewähren, die für die Einheit und den gesellschaftlichen Frieden in der Ukraine notwendig sei. Die Bischöfe der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, die mit dem „Status weiter Autonomie“ zum Patriarchat von Moskau gehört, hatten sich im Mai 2018 dafür ausgesprochen, die Einigung der orthodoxen Kirchen in der Ukraine voranzutreiben. Sie warnten allerdings gleichzeitig vor der Autokephalie, die nur zu weiteren Spaltungen führen würde.

In der Diskussion um die ukrainische Autokephalie liegen die Rede von Frieden und Einheit einerseits und von Krieg und unabwendbaren Brüchen andererseits nah beieinander. Es geht in dieser Frage um Macht, um politische Einflussnahme auf die Kirchen und um ein Tauziehen zwischen Moskau und Konstantinopel, kaum mehr aber um das Wesentliche des ursprünglichen Autokephalie-Prozesses:  Die Sehnsucht ukrainischer Gläubiger nach einer einigen und unabhängigen Kirche in Einheit mit der Weltorthodoxie.

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