Russland: Verwirrung um Isaakskathedrale

Der zukünftige Status der Isaakskathedrale in St. Petersburg ist weiterhin unklar. Das russische Medienunternehmen RBC hatte Ende März berichtet, die Behörden hätten sich gegen die Übergabe der Isaakskathedrale an die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) entschieden. Dabei berief sich RBC auf eine dem russischen Kulturministerium nahestehende Quelle, laut der das Thema vom Tisch sei. Gründe des angeblichen Entscheids seien die Proteste der St. Petersburger Bevölkerung angesichts der im September anstehenden Gouverneurswahlen. Die Nachricht wurde von zahlreichen russischen Medien aufgegriffen und publiziert.

Der Kreml distanzierte sich noch am gleichen Tag von der Meldung. Zwar interessiere sich der Kreml für das Schicksal eines der wichtigsten historischen Gebäude Russlands, verfüge aber über keine offiziellen Informationen in diesem Zusammenhang, erklärte Dmitrij Peskov, der Pressesprecher des russischen Präsidenten. Die Angelegenheit liege in der Kompetenz der regionalen Behörden von St. Petersburg. Ähnlich lautete das wenig später veröffentlichte Statement der Regierung: die Isaakskathedrale sei im Besitz der Stadt St. Petersburg, nicht eine Immobilie der Russischen Föderation, und gehöre zum Bestand der regionalen Museen, daher falle die Frage ihrer Übergabe an die ROK in die Kompetenz der St. Petersburger Behörden. Die ROK kritisierte die Berufung auf eine anonyme Quelle und forderte die Leser auf, sich in solchen Fällen zu fragen, wem die Nachricht nütze. Da es in der Angelegenheit keine neueren Entwicklungen gebe, sei die aus der Luft gegriffene Meldung unangebracht.

2017 hatte der damalige St. Petersburger Gouverneur entschieden, die Isaakskathedrale für 49 Jahre der ROK zur Nutzung zu übergeben, nachdem Patriarch Kirill 2016 einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Die Entscheidung stieß in St. Petersburg auf breite Kritik, viele Einwohner und die Leitung des Museums, als das die Kathedrale heute hauptsächlich dient, fürchteten um die Zukunft des Museums. Aber auch der Unterhalt des Gebäudes ohne die Museumseinnahmen bereitete vielen Kritikern Sorgen. Zudem werden seit 1990 regelmäßig Gottesdienste in der Kathedrale durchgeführt, die kirchliche Nutzung ist also bereits möglich. Aufgrund der Proteste und eines Aufrufs von Präsident Vladimir Putin, die Debatte zu entpolitisieren, gerieten die Übergabepläne ins Stocken. Inzwischen ist eine Anordnung des St. Petersburger Komitees für Eigentum, das die Übergabe regeln sollte, abgelaufen. Sollte die ROK einen neuen Antrag auf den Transfer der Kathedrale stellen, kann eine neue Anordnung erlassen werden. Es ist nicht bekannt, ob die Kirche einen neuen Antrag stellen möchte.

Drucken