Frankreich: Bartholomaios verteidigt Panorthodoxes Konzil von Kreta
Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios hat die Einberufung und Abhaltung des Panorthodoxen Konzils vor zehn Jahren auf Kreta verteidigt. Bei einer Tagung in Chantilly bei Paris aus Anlass des 10-Jahre-Jubiläums des Konzils bezeichnete der Patriarch das Konzil sogar als ein „entscheidendes“ kirchliches Ereignis für das Selbstverständnis und den Kurs der zeitgenössischen Orthodoxie. Sowohl die Einberufung als auch die Beschlüsse des Konzils seien „ein wichtiges Kapitel in der synodalen Identität und Geschichte“ der Kirche und ein wertvolles Erbe für künftige Generationen, so der Patriarch am 5. Oktober in seiner Eröffnungsrede laut dem Pro Oriente-Informationsdienst.
Bartholomaios erinnerte an den langen und schwierigen Prozess, der dem Konzil vorausging, und hob die Rolle des Ökumenischen Patriarchats bei dessen Vorbereitung und Einberufung hervor. Kritisch erinnerte er daran, dass vier autokephale Kirchen – das Patriarchat von Antiochien sowie die Russische, Bulgarische und Georgische Orthodoxe Kirche – am Konzil nicht teilnahmen.
Die vier Kirchen hätten ihre Entscheidung „auf der Grundlage nicht-kirchlicher Kriterien“ getroffen. Eine Verschiebung des Konzils sei gleichwohl nicht infrage gekommen, so Bartholomaios: „Es gab keinen theologischen oder ekklesiologischen Grund, warum das Konzil nicht stattfinden sollte“, betonte er und fügte hinzu, dass eine Verschiebung „seine endgültige Absage bedeutet hätte – und vielleicht war dies genau das, was einige wünschten und anstrebten.“
Der Ökumenische Patriarch warnte in seiner Rede weiters vor den Auswüchsen der Säkularisierung und der kirchlichen Introversion und argumentierte, dass ein authentisches christliches Zeugnis nicht aus einer „verschlossenen und düsteren Orthodoxie“ hervorgehen könne. Das Zeugnis der Kirche müsse ein „Zeugnis der Freiheit“ sein, da Christus der Befreier und die Kirche ein Ort „gelebter Freiheit“ sei.
Der Ökumenische Patriarch sprach auch über die Rolle der orthodoxen Theologie in der heutigen Welt und betonte, dass der Dialog mit der modernen Kultur nicht bedeute, die Kirche dem Zeitgeist anzupassen. Gleichzeitig hielt er fest, die orthodoxe Theologie müsse fundamentalistischen Strömungen, die das Konzil als „Ausdruck krankhafter Religiosität“ bezeichnet hatte, entschieden widerstehen. Sonst komme es zu Intoleranz und Gewalt „im Namen Gottes“.
Die internationale Tagung in Chantilly in Frankreich steht unter dem Generalthema „Das Heilige und Große Konzil der Orthodoxen Kirche (2016–2026): Bilanz und Perspektiven“. Zahlreiche orthodoxe Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe aus aller Welt sowie Theologinnen und Theologen zählen zu den Teilnehmenden und Referierenden. Mit Erzbischof Ioannis (Pelushi) von Albanien und Patriarch Bartholomaios sind auch zwei Kirchenoberhäupter vor Ort. Von katholischer Seite wird u.a. der Leiter des Instituts für Ökumenische Studien an der Päpstlichen Universität St. Thomas von Aquin in Rom und Mitarbeiter des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Prof. Hyacinthe Destivelle, das Wort ergreifen. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)