Zum Hauptinhalt springen

Belarus: Freigelassener Oppositioneller Tsichanouski spricht über seinen Glauben und die Ukraine

02. Juli 2025

Der belarusische Blogger Sjarhei Tsichanouski, der im Vorfeld der gefälschten belarusischen Präsidentschaftswahlen vom August 2020 verhaftet worden war, ist am 21. Juni freigekommen. Er und 13 weitere politische Gefangene wurden kurz nach einem Besuch von Keith Kellogg, dem US-Sondergesandten für die Ukraine, in Minsk freigelassen. Tsichanouski, der einen kritischen YouTube-Kanal betrieben hatte und mit der Oppositionsführerin Svjatlana Tsichanouskaja verheiratet ist, war 2021 unter anderem wegen der „Organisation von Unruhen“, „Behinderung der Ausübung des Wahlrechts“ und des „Schürens von Hass“ zu 19,5 Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt worden.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Svjatlana Tsichanouskaja am 22. Juni sprach er unter anderem über seinen Glauben und seine Haft, dabei bezeichnete er sich als orthodoxen Christen. Im Gefängnis, wo er mehrheitlich in Isolationshaft war, sei ihm während der ganzen Zeit nicht ermöglicht worden, zu beichten und die Kommunion zu empfangen. Auch andere Rechte wie Briefe, Anrufe, Treffen mit Geistlichen und Anwälten seien ihm verwehrt worden. In einem Video für European Radio for Belarus sprach er einige Tage später darüber, dass er als Gläubiger in der Zelle saß, der nicht flucht und raucht, weil er es für eine Sünde hält, während die Beamten rauchten und fluchten. Zugleich hätten sie ihn, obwohl sie wussten, dass er unschuldig ist, für einen Verbrecher gehalten und sich selbst für gute Menschen, die sogar an Ostern in die Kirche gingen. Dabei verstünden sie die kirchlichen Riten nicht, sondern glaubten nur oberflächlich.

Die Herrschaft des russischen Präsidenten Vladimir Putin bezeichnete Tsichanouski an der Pressekonferenz als „gemeinsamen Feind“. Solange Putins Macht in Russland andauere, könne es auch in Belarus keinen Sieg geben. Denn Alexander Lukaschenka sei dessen Kandidat. Weiter warf er Putin vor, zu lügen und sich trotzdem als Orthodoxen zu betrachten. Auf die Frage nach einer Reise auf die Krim nach der Annexion durch Russland 2014 antwortete er, er sei von einem Bekannten zu einer eintägigen Pilgerreise eingeladen worden. Dabei habe er sich keine Gedanken um den Status der Krim gemacht, er habe sich damals auch noch nicht mit Politik befasst. Die Krim sei ukrainisches Territorium, die russischen Ansprüche auf jegliche ukrainischen Gebiete unterstütze er in keiner Weise, erklärte er an der Pressekonferenz, er unterstütze die Ukraine völlig. Zudem lobte er den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyj. Dessen Schicksal sei unglaublich hart, viel härter als seine eigene Haft in Belarus, kein aktueller Präsident habe es so schwer. Er unterstütze Zelenskyj absolut, für ihn sei er ein „Held“. (NÖK)