Belarus: Lutherische Gemeinschaft liquidiert
Ein Gericht in der Region Vitebsk hat die Liquidierung der Vereinigung der Evangelisch-lutherischen Kirche in der Republik Belarus (ELKRP) angeordnet, weil sie die obligatorische Neuregistrierung für Religionsgemeinschaften nicht bestanden habe. Am 26. August wurde im Gericht eine entsprechende Erklärung der Behörde für Religionen und Nationalitäten verlesen, auf die schriftlichen Einwände der Kirchenleitung ging das Gericht nicht ein.
Die ELKRP war 2001 registriert worden, geleitet wurde sie vom unabhängigen Journalisten und Aktivisten Konstantin Mordvintsev. Dieser wurde juristisch verfolgt und hält sich laut Informationen der belarusischen zivilgesellschaftliche Organisation Christliche Vision im Ausland auf. Mordvintsev erklärte, dass die Gemeinden der ELKRP die neuen Anforderungen für die Registrierung in Bezug auf die Mitgliederzahl und Offenlegung persönlicher Daten der Gläubigen nicht erfüllen konnten.
Eine Neuregistrierung zu verschärften Bedingungen müssen alle belarusischen Religionsgemeinschaften durchlaufen, weil in Belarus 2024 ein neues Religionsgesetz in Kraft getreten ist. Das stark umstrittene Gesetz gilt als repressiv und nicht im Einklang mit internationalen Standards. Es führte verschiedene Einschränkungen für Religionsgemeinschaften ein und verbietet ihnen jegliche politische Aktivität. Beobachter sehen im Gesetz ein Mittel zur Repression gegen Religionsgemeinschaften, das im Zusammenhang mit dem staatlichen Vorgehen gegen alle nicht-regierungstreuen Teile der Gesellschaft seit den Massenprotesten gegen die gefälschte Präsidentschaftswahl 2020 steht.
Von den Behörden war die ELKRP zuvor weitgehend ignoriert worden. Zu offiziellen interkonfessionellen Veranstaltungen wurde zumeist Pastor Vladimir Tatarnikov aus Hrodna als Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Gemeinden in der Republik Belarus eingeladen. Andere lutherische Gemeinden, die nicht Teil der ELKRP waren, bestehen weiterhin.
Die Menschenrechtsorganisation Lawtrend listete zudem im August 35 religiöse Organisationen in den Regionen Mahiljou und Brest auf, die liquidiert wurden, weil sie die Anforderungen für die Neuregistrierung nicht erfüllten. Die entsprechenden Gerichtsurteile wurden zwischen Dezember 2025 und 2026 verkündet. Am stärksten betroffen waren protestantische Gemeinden, aber auch sechs orthodoxe, drei griechisch-katholische und zwei römisch-katholische Gemeinden wurden nicht neuregistriert. Christliche Vision hatte bereits Anfang 2026 einen Rückgang der Zahl der Religionsgemeinschaften in Belarus aufgrund der obligatorischen Neuregistrierung festgestellt, nachdem die Frist zur Einreichung der Dokumente für die Neuregistrierung im Juli 2025 abgelaufen war. (NÖK)