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Russland: Patriarch Kirill kritisiert Scheidungen

24. September 2026

Der russische Patriarch Kirill hat sich vor der Stadtduma von Moskau ablehnend zum Thema Scheidungen geäußert. Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Kirche des Hl. Alexander Nevskij, die früher zum Gebäudekomplex der Stadtduma gehört hatte, sprach er von der kritischen Haltung der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) zur „Zunahme der Scheidungen in unserem Land“. Dabei unterschied er Scheidungen nach ihren Gründen: Wenn sich Menschen scheiden ließen, die aus „unklaren Gründen“, zu denen er „Konjunktur, Karriere oder Geld“ zählte, zusammengekommen seien, solle „Gott ihr Richter sein“. Wenn der Heiratsgrund jedoch Liebe gewesen sei, und das Gefühl aus irgendwelchen Gründen nachlasse, sollte man nicht den Fehler beim Mann oder der Frau suchen, sondern bei sich selbst. Schließlich finde der Prozess im eigenen Herzen statt. Zusätzlich betonte der Patriarch die „Wichtigkeit der Ehe und Familie für die Bewahrung unseres Staats, für die Erhaltung der spirituellen, materiellen und kulturellen Kraft unseres Volks“.

Kommentatoren erinnerten daran, dass der russische Präsident Vladimir Putin sich 2013 nach 30 Jahren Ehe von seiner Frau scheiden ließ. Zugleich rühmt Patriarch Kirill diesen in letzter Zeit – im Zusammenhang mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine – häufig als „orthodoxen Präsidenten“ und als Musterbeispiel eines religiösen Staatsoberhaupts. 2024 ließ sich zudem Marija Lvova-Belova, die Bevollmächtigte des russischen Präsidenten für Kinderrechte, von ihrem Mann scheiden und heiratete den orthodoxen Oligarchen Konstantin Malofejev. Die Heirat mit dem Gründer des ultrakonservativen Fernsehsenders Tsargrad hatte für viel Kritik u.a. aus kirchlichen und konservativen Kreisen gesorgt. Den beiden wurde der Widerspruch zwischen ihrer öffentlichen Position als Verteidiger traditioneller Werte und ihrem persönlichen Leben mit Scheidung und Wiederheirat vorgeworfen. Für besondere Empörung sorgte, dass Lvova-Belovas erster Mann Priester ist und sie zehn Kinder, fünf biologische und fünf adoptierte, zusammen haben. Gemeinsam mit Präsident Putin wurde Lvova-Belova vom Internationalen Strafgerichtshof zur Verhaftung ausgeschrieben, weil ihr eine Beteiligung an der Entführung von Kindern aus den besetzten Gebieten der Ukraine vorgeworfen wird.

In einem Interview vom 14. September, in dem es hauptsächlich um ihre Tätigkeit als Kinderrechtsbeauftragte ging, rechtfertigte Marija Lvova-Belova ihre Scheidung. Ihr Amt habe die Dynamik in der Ehe verändert, zudem hätten ihre Reisen an die Front sie auch zuhause nicht losgelassen. Sie habe lange versucht, ihre Familie zu retten, erst auf dem Gipfel der Krise habe sie ihren zukünftigen Mann kennengelernt. Mit ihm sei sie regelmäßig in den Donbas gereist, und er sei ihr „Partner und Beschützer“ geworden. Dass sie ihren ersten Mann im Stich gelassen habe, wies sie zurück, an einer Scheidung seien immer beide Partner beteiligt. Außerdem betonte sie, dass die Orthodoxe Kirche eine zweite Ehe erlaube, und sie nichts vom Kirchenrecht Verbotenes getan habe. (NÖK)