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Kasachstan: Human Rights Watch unterstützt kasachischen Antikriegsgeistlichen

04. Juni 2026

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat die kasachischen Behörden aufgefordert, das Recht des ehemaligen Priesters Jakov Vorontsov auf einen fairen Prozess und ein korrektes Verfahren sicherzustellen. Die kasachischen Behörden sollten sofort dafür sorgen, dass seine Verteidigung Zugang zu allen relevanten Materialien erhält. Wenn die Behörden keine glaubhaften Beweise für die Anschuldigungen gegenüber Vorontsov präsentierten können, müssten sie die Strafverfolgung beenden und ihn freilassen, erklärte die Organisation weiter.

Jakov Vorontsov war im Februar 2026 verhaftet worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Er ist für seine Kritik an Russlands Krieg gegen die Ukraine und seinen Einsatz für eine eigene, unabhängige orthodoxe Kirche in Kasachstan bekannt. Wegen seiner Haltung war ihm von der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) 2023 zunächst der Dienst verboten und kurz darauf der geistliche Rang aberkannt worden. 2025 wurde bereits ein anderes Strafverfahren gegen ihn eingestellt, weil keine Straftat festgestellt werden konnte. Im Mai 2026 ordnete ein Gericht in Almaty an, Vorontsov aus der Untersuchungshaft in eine psychiatrische Klinik zu überführen. Dagegen protestierte seine Verteidigung, das Berufungsgericht ließ jedoch das vorangehende Urteil bestehen. Vorontsovs Anwalt Galym Nurpeisov bemängelte, dass er das Ergebnis der psychologischen Beurteilung Vorontsovs erst nach dessen Einweisung in die Psychiatrie einsehen konnte. Das Verfahren sei sehr fragwürdig, aber zumindest habe er Vorontsov besuchen können. Dieser fühle sich normal, es werde kein Druck auf ihn ausgeübt, und die Ärzte seien verständnisvoll.

Politisch motivierte Verfolgung von Kritikern, Aktivistinnen und Menschen, die sich kritisch äußern, seien in Kasachstan gut dokumentiert, erklärte Mihra Rittmann, Zentralasienberaterin bei Human Rights Watch. Zudem setze Kasachstan zunehmend psychiatrische Verwahrung als Repressionstaktik ein, was besorgniserregend sei. Zwangsaufenthalte in der Psychiatrie seien eine „missbräuchliche, schädliche und rechtsverletzende Praxis“, die Kasachstan nicht benutzen sollte, um Kritiker zum Schweigen zu bringen. Daher sollten die Behörden Vorontsov sofort aus der Psychiatrie entlassen, sagte Rittmann weiter. Human Rights Watch forderte die EU, Großbritannien, OSZE-Mitgliedstaaten und Menschenrechtsorgane der UNO auf, Vorontsovs Fall genau zu beobachten und Kasachstan zur Einhaltung seiner internationalen Menschenrechtsverpflichtungen aufzufordern.

Zudem wandten sich die Sonderberichterstatterinnen der UNO für die Förderung und den Schutz der Meinungsfreiheit, für das Versammlungs- und Vereinigungsrecht sowie für Religionsfreiheit im Fall Vorontsovs an die kasachische Regierung. In ihrem Schreiben zeigten sie sich besorgt, dass seine Verfolgung und die Weigerung, eine von ihm gegründete Religionsgemeinschaft zu registrieren, gegen internationale Menschenrechtsstandards verstießen. Zudem scheine es, als sei dies eine direkte Folge von Vorontsovs Äußerung seines Glaubens und seiner Meinung. Von der Regierung Kasachstans forderten sie eine Erklärung sowie Maßnahmen, um die bemängelten Verstöße zu beenden. (NÖK)