Polen: Evangelisch-Augsburgische Kirche thematisiert sexuelle Gewalt in der Kirche

Die Synode der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen befasste sich in ihrer Frühjahrssitzung vom 26. bis 28. April 2019 schwerpunktmäßig mit zwei Themen: mit der Sorge um Gottes Schöpfung sowie mit unterschiedlichen Formen von Gewalt und sexuellem Missbrauch, die in der Kirche vorkommen könnten. In der polnischen Öffentlichkeit hat das Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche in den letzten Monaten viel Aufmerksamkeit erhalten. Bei der Frühjahrsvollversammlung katholischer Bischöfe im März 2019 wurden zudem erstmalig Zahlen zum Ausmaß des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche bekanntgegeben.

Bei der Synode der Evangelisch-Augsburgischen Kirche ging es vor allem um Prävention und Schutz der möglichen Opfer sowohl von sexuellem Missbrauch als auch von anderen Arten von Gewalt in Situationen, in denen der Täter die Minderjährigkeit des Opfers ausnutzt oder eine Abhängigkeitsverhältnis missbraucht.

In ihrem Beschluss erinnerte die Synode daran, dass jede Person, die offizielle Funktionen in der Kirche ausübt und im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit den Verdacht auf eine Straftat hat, verpflichtet sei, unverzüglich die Staatsanwaltschaft oder die Polizei zu benachrichtigen sowie zu verhindern, dass Spuren oder Beweise vernichet werden. Auch der zuständige Diözesanbischof und der Bischof der Kirche sollten benachrichtigt werden.
Ab 1. Juni 2019 wird eine spezielle E-Mail-Adresse eingerichtet, an die sich eventuelle Opfer unerwünschter Handlungen wenden können, um das Konsistorium der Kirche zu informieren.

Gleichzeitig wies die Synode darauf hin, dass es notwendig ist, Personen, die sexuellen Missbrauch melden, an die Mediations- und Beratungsstelle der Evangelisch-Augsburgischen Kirche zu überweisen, damit sie auch die notwendige außergerichtliche Unterstützung erhalten. Es wurde zudem betont, dass die Kirche den Geistlichen und anderen Personen, die in der Kirche tätig sind, geeignete Materialien und Schulungen anbieten soll, die sich auf das Problem sexueller Gewalt beziehen. (Quelle: www.gustav-adolf-werk.de, 3. Mai 2019)