Ungarn: Grundstein für neues Mindszenty-Museum gelegt

Ein neues Museum und ein Pilgerzentrum sollen künftig in der westungarischen Stadt Zalaegerszeg (Egersee) an Kardinal József Mindszenty (1892–1975) erinnern. Im „Mindszentyaneum“ soll der Lebensweg des Primas-Kardinals gezeigt werden, der einer der wichtigsten Märtyrergestalten der katholischen Kirche in Mittel- und Osteuropa in kommunistischer Zeit ist, und 25 Jahre als Pfarrer in der Stadt tätig war. In dem laut Portal Magyar Kurir mit staatlichen Mitteln aus einem mehr als 23,5 Mio. Euro (8,3 Mia. Forint) umfassenden Stadtsanierungsfonds errichtete Zentrum soll auch eine Ausstellung zum Thema „Religionsverfolgung in der kommunistischen Diktatur im 20. Jahrhundert“ Platz finden.

„Der Lebensweg von József Mindszenty war und ist ein moralischer Kompass“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Volkspartei (KDNP) Zsolt Semjén bei der Grundsteinlegung Anfang Juli. An der Feier nahmen auch der Budapester Erzbischof Kardinal-Primas Péter Erdő und der Diözesanbischof von Szombathely (Steinamanger), János Székely, teil. Das künftige Museum wird auch den Ausgangspunkt des Mindszenty-Weges bilden. Zalaegerszeg wird dadurch eine wichtige Station des internationalen Marienpilgerwegs, der von Csíksomlyó in Siebenbürgen bis Mariazell führt.

Der spätere Kardinal Mindszenty kam schon 1917 als Priester und Religionslehrer unter seinem Geburtsnamen Jozsef Pehm nach Zalaegerszeg. Zur Zeit der linken Räterepublik wurde er festgenommen, kam aber Anfang Oktober 1919 als Stadtpfarrer nach Zalaegerszeg zurück. In den Jahren bis zu seiner Ernennung zum Bischof von Veszprém im Frühjahr 1944 ließ er eine Kirche, Schulen und ein Altersheim bauen, außerdem gründete er mehrere christliche Vereine. 1941 legte der damalige Prälat Pehm unter dem Eindruck des ungarischen Kriegseintritts aufseiten Hitlers seinen deutschen Familiennamen ab und benannte sich nach seinem Geburtsort Csehimindszent.

Ende Oktober 1944 protestierte Mindszenty zusammen mit anderen westungarischen Bischöfen gegen den sinnlosen Krieg. Daraufhin wurde er zusammen mit 26 Priestern und Theologiestudenten von den ungarischen Faschisten verhaftet und in Sopron eingekerkert. Erst mit Einmarsch der Sowjetarmee kam er im April 1945 frei und kehrte nach Veszprém zurück.

Im September 1945 wurde Mindszenty von Papst Pius XII. zum Erzbischof von Esztergom und damit zum Primas von Ungarn ernannt. 1946 erhob ihn der Papst auch in den Kardinalsstand. Mindszenty übte offen Kritik an der kommunistischen Regierung, die den Religionsunterricht abschaffte und private Schulen verstaatlichte. 1948 wurde er von den Kommunisten verhaftet und in einem Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

Während des Volksaufstands 1956 wurde Mindszenty zunächst befreit und fand nach der sowjetischen Niederschlagung der Revolution Zuflucht in der US-Gesandtschaft in Budapest. Dort blieb der Kardinal 15 Jahre, bis er auf Drängen des Vatikans im Zuge der vatikanischen Ostpolitik Ungarn verließ und nach Rom reiste. Seine letzten Jahre verbrachte er in Wien, um seiner Heimat nahe zu sein. Dort starb er 1975 und wurde seinem letzten Willen entsprechend in Mariazell bestattet. Aufgrund der politischen Wende wurde er dann 1991 nach Ungarn überführt und in seiner Bischofskirche in Esztergom beigesetzt.

Der ungarische Staat hat Mindszenty 1990 de facto und 2012 vollständig rehabilitiert. Seit 1993 läuft ein Seligsprechungsverfahren für Kardinal Mindszenty. Papst Franziskus erkannte ihm im Februar 2019 den heroischen Tugendgrad zu. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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