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Ungarn: Christen und Juden begrenzen Ehe auf Mann und Frau

13. Januar 2022

Die christlichen Kirchen und die jüdischen Gemeinden in Ungarn haben ihr Verständnis von Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau bekräftigt. In einer gemeinsamen Erklärung betonten sie die Bedeutung jüdisch-christlicher Werte in Bezug auf Ehe, Familie und Menschenwürde. Ausdrücklich bezeichneten die Religionsvertreter ihr am 9. Dezember veröffentlichtes Schreiben laut dem Portal Magyar Kurir (16. Dezember) als eine „Reaktion auf die wachsende gesellschaftliche Debatte der letzten Zeit“.

Die Erklärung beginnt mit einem Zitat aus dem biblischen Buch Genesis, in dem es heißt: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde.“

Auch Papst Franziskus habe bei seinem Besuch in Budapest im September erneut die biblische Position betont, „dass das Sakrament der Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau zustande kommen kann“, so die Religionsvertreter. „Die Bekräftigung der Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann durch die Ehe ist auch in der jüdischen Tradition die Grundlage der Menschenwürde“, fügten sie hinzu.

„In Vorbereitung auf Weihnachten, im Licht der Chanukka-Kerzen und als Reaktion auf die in letzter Zeit zunehmende gesellschaftliche Debatte bekräftigen wir, die unterzeichnenden Vertreter der katholischen, protestantischen und orthodoxen Kirchen und der jüdischen Gemeinden, hiermit die Bedeutung der jüdischen und christlichen Werte von Ehe, Familie und Menschenwürde“, so die Erklärung.

Unterzeichnet haben das Schreiben die Ungarische Bischofskonferenz und die Reformierte Kirche von Ungarn als Vertreter der größten christlichen Kirchen im Land; außerdem wird die Erklärung von der Lutherischen, der Baptistischen und der Methodistische Kirche sowie von der Pfingstkirche, den Unitariern und auch den griechisch-, serbisch-, bulgarisch-, rumänisch- und russisch-orthodoxen Kirchenvertretern im Land unterstützt. Unterzeichnet haben zudem die Föderation der Jüdischen Gemeinden in Ungarn und die Vereinigte Ungarische Jüdische Kongregation.

In Ungarn gibt es seit Monaten verschärfte Auseinandersetzungen um das Thema Homosexualität. Regierungschef Viktor Orbán setzte ein Gesetz durch, das positive Erwähnungen über nicht-heterosexuelle Lebensformen vor Minderjährigen unter Strafe stellt. Nach massiver EU-Kritik will Orbán das Gesetz einer Volksabstimmung unterziehen. Im kommenden Frühjahr stehen Parlamentswahlen an. Oppositionskandidat Péter Márki-Zay, selbst Katholik und Vater von sieben Kindern, bekräftigte Ende November in einem BBC-Interview seine Unterstützung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare; dies sei eine Frage des Zivilrechts.

Der Vorsitzende der Ungarischen Bischofskonferenz, Bischof András Veres, äußerte bereits vor einigen Wochen in einem Tagespost-Interview seine Zufriedenheit darüber, dass die Regierung „die Ehe und die Familie hochhält“. Ziel der „Kinderschutzgesetze“ sei nicht die Diskriminierung von LGBTIQ-Personen, vielmehr gehe es darum, „dass diese Propaganda nicht in den Schulen stattfinden darf“, so Veres. Damit sei die Kirche „ganz einverstanden“, es gehe um das Erziehungsrecht der Eltern, sagte der Bischof von Győr. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)