Ungarn: Ordensgemeinschaften wollen Vielfalt und Dialog vorleben
Den kirchlich weltweit begangenen Tag des geweihten Lebens (2. Februar) haben die Ordensgemeinschaften in Ungarn zum Anlass genommen, um ihr Selbstverständnis und ihre Mission in Kirche und Gesellschaft zu reflektieren. Dazu hatten sich am 2. Februar Vertreterinnen und Vertreter von 34 Ordensgemeinschaften in Ungarn im Budapester Jesuitenzentrum Haus des Dialogs (Párbeszéd Háza) versammelt. Gemeinsam mit Bischof János Székely, dem Vorsitzenden der Ungarischen Bischofskonferenz, feierten sie den Tag des geweihten Lebens.
Im Rahmen eines Rundtischgesprächs stand die Frage im Mittelpunkt, wie Ordensleute ihr Leben in der Nachfolge Christi in der heutigen Zeit vertiefen und stärken können. „Beziehung“ war für die rund 300 Teilnehmenden dabei der zentrale Begriff – verstanden als Beziehung zu Gott, zueinander und zur Welt. An der Veranstaltung nahmen unter anderem Viktor Zsódi SP, Vorsitzender der Konferenz der männlichen Ordensoberen Ungarns (FSZK), sowie Adél Petra Kakucs OP, Vorsitzende der Ungarischen Konferenz der Ordensoberinnen (MRK), teil.
Zsódi betonte im Interview mit Kathpress, dass im Jahr 2026 ein zentraler Schwerpunkt darin liegen werde, gemeinsam einen vertieften Blick auf das Institut des Ordenslebens zu werfen und die prophetische Sendung der Orden im heutigen Ungarn neu zu bedenken. Dabei unterstrich er die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gemeinschaften. „In einer polarisierten Gesellschaft muss das Ordensleben zeigen können, wie Menschen mit unterschiedlichen Meinungen im Dialog bleiben“, so Zsódi. Das gemeinsame Leben der Ordensleute könne dabei ein „diskreter, aber wirkungsvoller Sauerteig“ für die Gesellschaft sein.
Zugleich verwies Zsódi auf die Vielfalt der Charismen im Ordensleben. Es gehe nicht darum, einen einheitlichen Weg zu finden, sondern einander dabei zu unterstützen, die je eigene Berufung und Sendung zu leben. „Wenn wir uns gegenseitig helfen, gemäß unserer jeweiligen Charismen dort präsent zu sein, wo wir persönlich das Licht des Evangeliums hintragen können, wird das zu einer großen Ressource“, erklärte der Ordensobere der Piaristen.
Bischof Székely bezeichnete das Ordensleben als ein großes Geschenk für die Kirche. Jede Ordensgemeinschaft trage die Gründercharismen und das Zeugnis der Heiligkeit ihrer Gründerinnen und Gründer durch die Geschichte weiter und bereichere so die Kirche in ihrer Vielfalt. „Wir sind dankbar für die Präsenz der Ordensleute. Sie beleben, erneuern und verjüngen unsere Kirche – viele Reformbewegungen sind aus dem Ordensleben hervorgegangen“, sagte der Bischof.
Als Vorsitzender der Bischofskonferenz sei es ihm ein Anliegen, Berufungen zu fördern und die geschwisterliche Beziehung zu den Ordensgemeinschaften zu pflegen. Er berichtete von regelmäßigen Begegnungen mit den Orden in seiner Diözese und betonte die Vielschichtigkeit dieser Beziehungen.
Besonders hob Székely die Bedeutung weiblicher Ordensberufungen hervor. Ordensfrauen seien „die Goldreserve der Kirche“, sagte er mit Blick auf ihr Gebet und ihr Gott geweihtes Leben. „Unter dem Kreuz standen Frauen, und auch die ersten Zeuginnen der Auferstehung waren Frauen. Sie verkörpern eine Tiefe und einen Schatz, den die Kirche dringend braucht.“ Ein persönliches Anliegen sei für ihn, die Ansiedlung weiterer Frauenorden in Ungarn zu fördern. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)