Kroatien: Gedenkfeier in Bleiburg abgesagt

Die zentrale Gedenkfeier für die Opfer der „Bleiburger Tragödie“ und des „kroatischen Kreuzwegs“, die für den 16. Mai in Bleiburg im österreichischen Kärnten geplant gewesen war, ist abgesagt worden. Grund sind die österreichischen Beschränkungen für öffentliche Versammlungen sowie Einschränkungen der Reisefreiheit in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina aufgrund der Coronavirus-Epidemie. Zudem wollten die Organisatoren ihre Verantwortung gegenüber den Pilgern und den Einwohnern Bleiburgs wahrnehmen, wie es im Statement des „Bleiburger Ehrenzugs“, der für die Feierlichkeiten zuständig ist, heißt.

Das neue Programm schilderte Gordan Jandroković, der Präsident des kroatischen Parlaments, das sich in den letzten Jahren wie die Kroatische Bischofskonferenz als Mitveranstalter an den Bleiburg-Feierlichkeiten beteiligt hat. In Bleiburg soll demnach ein Kranz niedergelegt werden und ein dortiger Geistlicher ein Gebet in Anwesenheit des kroatischen Botschafters in Österreich sprechen. Auf dem Zagreber Friedhof Mirogoj sollen ebenfalls ein Gebet und eine Kranzniederlegung stattfinden. In der Kathedrale von Sarajevo werde Erzbischof Vinko Kardinal Puljić von Sarajevo eine Messe feiern. Ursprünglich hätte er die Messe in Bleiburg leiten sollen. Geplant sei auch ein muslimisches Gebet, wahrscheinlich in der Moschee in Zagreb. An sämtlichen Feierlichkeiten würden die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus gelten. Er sei „ganz sicher“, dass das Gedenken nicht wie in den letzten Jahren eine Massenveranstaltung werde, es handle sich um Gebete, nicht um Massenkundgebungen, versicherte Jandroković.

Religiöse Versammlungen sind in Kroatien ab dem 2. Mai infolge der schrittweisen Lockerung des Lockdowns wieder erlaubt. Die Kroatische Bischofskonferenz will sich an das Institut für öffentliche Gesundheit wenden, das ihr bereits im März Empfehlungen für Maßnahmen gemacht hatte. Obwohl er davon ausgeht, dass die Abstandsregeln weiter gelten werden, wollte der Generalsekretär der Bischofskonferenz keine weiteren Angaben zu möglichen Regeln machen. Die Gläubigen rief er zu Verantwortungsbewusstsein und Geduld auf.

Die jährliche Gedenkfeier in Bleiburg ist in den letzten Jahren immer wieder auf Kritik gestoßen. Im April und Mai 1945 flohen zusammen mit der Wehrmacht Angehörige der Slowenischen Heimwehr (Domobranci), Verbände der kroatischen Armee (Hrvatsko domobranstvo), faschistische Ustaša-Einheiten, serbische Tschetniks und Zivilisten unterschiedlicher nationaler Zugehörigkeit vor den heranrückenden Partisanen nach Kärnten. Ein Teil dieser Verbände ergab sich am 15. Mai 1945 in Bleiburg den Briten. In Befolgung der alliierten Vereinbarungen übergaben die Briten die Gefangenen an Jugoslawien, wo sie der Rache des neuen kommunistischen Regimes anheimfielen. Viele der Ausgelieferten wurden standrechtlich erschossen oder starben auf den Fußmärschen in die Lager. Seit der Unabhängigkeit Kroatiens gewann die Gedenkfeier an Bedeutung, in den letzten Jahren kamen jeweils über Zehntausend Gläubige an die Messe. Die Veranstaltung zog aber auch vermehrt offen rechtextreme Einzelpersonen und Verbände an. Deshalb hatte die Diözese Gurk-Klagenfurt 2018 die Auflagen verschärft, um einen geistlichen Charakter der Feiern sicherzustellen. (mit Material von Kathpress) (NÖK)

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