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Kroatien: Katholisch-orthodoxe Begegnung in Vukovar

27. März 2025

Die Anfang der 1990er Jahre im Krieg fast vollständig zerstörte kroatische Stadt Vukovar an der Grenze zu Serbien war dieser Tage Schauplatz des jenseits großer öffentlicher Bühnen gelebten Gesprächs katholischer und serbisch-orthodoxer Kirchenvertreter in Kroatien. Wie die kroatische Nachrichtenagentur IKA (13. März) berichtet, trafen sich der für die Region zuständige katholische Erzbischof von Đakovo/Osijek, Đuro Hranić, und der orthodoxe Bischof Heruvim (Đermanovic) in Vukovar zu einem spontan ausgeweiteten Austausch, der in ein gemeinsames Gebet an einem Mahnmal für Kriegsopfer mündete.

Hranić war eigentlich nach Vukovar gekommen, um in der Stadt, die auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem „Massaker von Vukovar“ noch viele Kriegswunden trägt, die katholische Pfarrei der Heiligen Philip und Jakob zu besuchen. Die Begegnung mit dem serbisch-orthodoxen Bischof am Rande der offiziellen Visitation lief laut IKA eher spontan, beide Würdenträger trafen sich in der serbisch-orthodoxen Pfarrei, zu der auch die Kirche des Heiligen Nikolai gehört. Heruvim und seine Mitarbeiter zeigten dem katholischen Erzbischof die Kirche und erzählten ihm von ihrer Geschichte und dem geistigen Erbe. Das Gebäude der serbisch-orthodoxen Kirche war im Krieg genauso in Mitleidenschaft gezogen wie die ganze Stadt Vukovar. Das Gotteshaus wurde in der Zwischenzeit renoviert, wobei die Arbeiten teils noch nicht abgeschlossen sind.

Die Bischöfe sprachen auch über die Lage in ihren jeweiligen Diözesen, fanden gemeinsame Themen, darunter die geringer werdende Zahl an Gläubigen und Herausforderungen in der pastoralen Arbeit, und betonten ein authentisches Leben der Christen als notwendige Grundlage für die Evangelisierung und den Fortschritt der Ortskirchen. Beide hoben laut Bericht auch das Gefühl der Brüderlichkeit und des Dialogs vor dem Hintergrund der kriegerischen Vergangenheit hervor.

Während des Gesprächs äußerte der orthodoxe Oberhirte den Wunsch, seinen katholischen Kollegen beim Besuch der Pfarrei und des Franziskanerklosters zu begleiten. Erzbischof Hranić zeigte sich über diese Idee erfreut und so gingen sie gemeinsam zum Kloster, wo sie vom Klostervorsteher P. Tonio Vučemilović empfangen wurden. Gemeinsam sprachen sie ein Gebet und besichtigten das Kloster- und Kirchengebäude einschließlich des Klosterkellers, in dem die Franziskaner während serbischer Angriffe Schutz fanden.

Auf dem Gelände des Franziskanerklosters befindet sich ein Mahnmal für die Opfer des Krieges, wo die Namen aller Opfer der Schlacht um Vukovar aufgeführt sind, ohne Rücksicht auf nationale oder Religionszugehörigkeit. Vor dem Mahnmal, wohl einem der wenigen Orte in Vukovar, wo die Teilung nicht sichtbar ist, beteten beide Oberhirten gemeinsam mit anderen Geistlichen beider Konfessionen. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)