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Bulgarien: Kritik am Besuch des Ökumenischen Patriarchen

04. November 2026

Der Besuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios vom 17. bis 19. Oktober 2026 war eines der umstrittensten kirchlichen Ereignisse in Bulgarien seit der Wahl von Patriarch Daniil. Offizieller Anlass der Reise waren die Feierlichkeiten zum 1150. Geburtstag und zum 1080. Todestag des hl. Johannes von Rila. Gemeinsam mit dem bulgarischen Patriarchen Daniil stand Bartholomaios Gottesdiensten in Sofia und im Rila-Kloster vor und betonte dabei die Einheit der Orthodoxen Kirche. Während Daniil seinen Gast ausdrücklich als „Bruder“ empfing, löste diese Haltung des bulgarischen Kirchenvorstehers jedoch starke Kritik in konservativen und prorussischen Kreisen aus. Es wurde eine Unterschriftensammelaktion gegen dessen Besuch gestartet.

Bereits vor der Ankunft des Ökumenischen Patriarchen verbreiteten sich auf Facebook zahlreiche Aufrufe gegen den Besuch. Dort wurde er häufig als „Ökumenist“, „Häretiker“ oder sarkastisch als „der türkische Patriarch“ bezeichnet. Viele Beiträge stammten aus Gruppen, die der russlandfreundlichen Orthodoxie nahestehen oder seit Jahren die Anerkennung der ukrainischen Autokephalie durch Konstantinopel bekämpfen. Die Protestierenden kritisierten insbesondere Bartholomaios‘ Rolle bei der Gründung der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU). Dadurch habe er die Einheit der Orthodoxie verletzt und westlichen politischen Faktoren gedient. So massiv die Angriffe im medialen Raum auch waren, so gab es kaum Demonstranten vor dem Gebäude des Hl. Synods, als Patriarch Bartholomaios dort offiziell empfangen wurde.

Während gewisse Kreise in Bulgarien den Ökumenischen Patriarchen schon seit vielen Jahren und insbesondere nach dem Autokephalie-Tomos an die OKU 2019 heftig angreifen und ihn mittlerweile als „Ketzer“ darstellen, war diesmal bemerkenswert, dass sich die Kritik nicht nur gegen Bartholomaios richtete, sondern zunehmend gegen Patriarch Daniil selbst. Er galt jahrelang als Kritiker von Bartholomaios und wurde nach seiner Wahl zum Patriarchen 2024 von den Gegnern des Ökumenischen Patriarchen fast als messianische Figur gefeiert. Daniils Bereitschaft, diesen feierlich zu empfangen und gemeinsam mit ihm aufzutreten, enttäuschte sie daher. Sie wurde sogar als „Kapitulation“ vor Konstantinopel interpretiert und spaltete seine Anhänger. Die einen bezeichneten die Annäherung als „Verrat“, während andere versuchten, neue Narrative zu entwickeln und so Daniils Handlungen zu rechtfertigen. So interpretierten sie den freundlichen Umgang der beiden Patriarchen als Versuch Daniils, dem „Abtrünnigen“ zuzureden und ihn auf den rechten Pfad zurückzuführen, wie es die Aufgabe eines guten Hirten sei.

Patriarch Daniil reagierte indirekt auf diese Vorwürfe. Während der Gottesdienste betonte er mehrfach, dass bestehende Unterschiede nicht durch Konfrontation, sondern durch Dialog überwunden werden müssten. Patriarch Bartholomaios lobte seinerseits Daniil ausdrücklich für dessen Bemühungen um die Bewahrung der kirchlichen Einheit in diesem schwierigen Moment für die orthodoxe Welt. Bartholomaios‘ Besuch wurde dadurch weniger zu einer Debatte über den Patriarchen von Konstantinopel als vielmehr zu einem Test für die Autorität von Patriarch Daniil. Gleichzeitig erschütterte er das Vertrauen unter einem Teil von dessen Anhängern und führte zur Spaltung im antibartholomaiischen Lager.

Vladislav Atanassov

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