Bosnien-Herzegowina: Kardinal Puljić feiert 75. Geburtstag

Erzbischof Vinko Kardinal Puljić von Sarajevo hat am 8. Oktober in der bosnischen Hauptstadt mit einer Festmesse seinen 75. Geburtstag gefeiert. Zugleich beging er damit mehrere Jubiläen: 50 Jahre als Priester, 30 Jahre als Bischof und 25 Jahre als Kardinal. An den Feierlichkeiten in der Herz-Jesu-Kathedrale nahmen alle Mitglieder der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina, der Apostolische Nuntius Luigi Pezzuto und der Vorsitzende der Kroatischen Bischofskonferenz, Erzbischof Želimir Puljić von Zadar, sowie zahlreiche Geistliche teil. Als Erzbischof von Sarajevo und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina von 1995 bis 2002, 2005 bis 2010 und seit 2015 ist Puljić eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche in Bosnien-Herzegowina.

An der Messe erklärte Puljić, das Jubiläum diene einerseits dazu, das eigene Gewissen hinsichtlich der Erfüllung seines Dienstes zu prüfen. Es sei der Moment, „für alle Versäumnisse und Handlungen, mit denen ich Schaden angerichtet habe“ zu büßen. Er bat alle, die er „aus Unwissenheit und Ungeschicklichkeit vielleicht ‚verletzt‘“ habe um Verzeihung. Zugleich bitte er Gott „auch meine Wunden zu heilen, denn es ist nicht möglich, soviel zu reisen und einen solchen Weg zurückzulegen, ohne verletzt zu werden“. Petar Palić, der Bischof von Mostar, lobte in seiner Predigt vor allem das Friedensengagement des Kardinals. Jozo Marinčić, der Provinzial der Provinz Bosna Srebrena der Franziskaner, betonte, Puljić habe immer „Wege gesucht, den Geist der Gemeinsamkeit zu bewahren“ und dabei „das Charisma jeder einzelnen Mönchsgemeinschaft anerkannt und akzeptiert“. Der stellv. Vorsitzende der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina und Koadjutor Puljićs, Tomo Vukšić, hob den Einsatz des Kardinals für den interreligiösen Dialog und gute Beziehungen zwischen den christlichen Konfessionen hervor.

Neben vielen lobenden Würdigungen in bosnischen Medien gab es nur wenige kritische Auseinandersetzungen mit dem Wirken des Kardinals. Der Franziskaner Drago Bojić würdigte in einem Beitrag einerseits Puljićs Einsatz für Frieden während des Bosnienkriegs, den er im belagerten Sarajevo verbrachte. Zudem habe er die Unabhängigkeit und territoriale Ganzheit Bosnien-Herzegowinas entschieden unterstützt. Einen großen Teil dieses Kapitals habe er aber nach dem Krieg verspielt, indem er immer mehr die Politik der konservativen Kroatischen demokratischen Gemeinschaft (Hrvatska demokratska zajednica, HDZ) unterstützt und sich schließlich ganz auf ihre Seite gestellt habe. Mit seiner Berufung auf die „Einheit der Kroaten“ habe er eine ernsthafte politische Alternative zur Politik der HDZ verunmöglicht. Bojić kritisierte auch die „konservativen und antisäkularen Positionen“ in den Predigten des Kardinals, seine mangelnde Beschäftigung mit Theologie, die Förderung „gehorsamer und ungebildeter Kader“ und Diffamierung kritischer Stimmen innerhalb der katholischen Kirche in Bosnien-Herzegowina sowie seinen Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg. (NÖK)

Drucken

renovabis