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Konferenzbericht: 1700 Jahre seit dem ersten Ökumenischen Konzil von Nicäa

07. August 2025

Miloš Vučković, Jan-Andrea Bernhard

2025 jährt sich zum 1700. Mal das erste ökumenische Konzil von Nicäa, zu dem Kaiser Konstantin zum ersten Mal Bischöfe aus dem ganzen Römischen Reich einberief, um grundlegende theologische Fragen des Christentums zu klären. Anlässlich dieses Jubiläums organisierte das Serbische Institut in der Schweiz am 26. und 27. April 2025 eine wissenschaftliche Konferenz mit dem Titel „Geschichte, Theologie und Kunst im Kontext des Ersten Konzils von Nicäa“ in den Räumlichkeiten der zwei Serbisch-Orthodoxen Kirchen in Zürich.

Die wissenschaftliche Konferenz, an der Wissenschaftler:innen, Geistliche, Studierende und weitere Interessierte teilnahmen, wurde von mehreren serbischen Diasporaorganisationen veranstaltet. Hauptorganisator der Konferenz war das Serbische Institut in der Schweiz, das 2023 gegründet worden war.[1] Mitgewirkt haben weitere junge Organisationen, wie etwa der Bildungs- und Kulturverein „Prosvjeta“[2] sowie der Verein Serbischer Studierender.[3] Obwohl diese Vereine noch auf keine lange Erfahrung zurückblicken können, verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: Die Wahrung und Förderung der serbischen Geschichte und Kultur in der Schweiz. Dank der hochkarätigen Referenten und Gäste markierte diese gemeinsam organisierte Konferenz für die Gastgeber einen Meilenstein. Neben Vertretern von der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (serb. Srpska Akademija Nauka i Umentosti – SANU)[4] nahmen auch Vertreter der Universität Zürich (UZH) an der Konferenz teil.[5]

Das Erste Ökumenische Konzil von Nicäa
Ein Konzil beschreibt eine wichtige Zusammenkunft von Geistlichen (meist Bischöfen), auf dem Antworten zu theologischen Fragen verbindlich erarbeitet und formuliert werden. Einfach ausgedrückt lässt sich sagen, dass an einem Konzil Kirche geformt wird. Das Wort Oikumene meint wörtlich übersetzt „bewohnte Welt“, ökumenisch meint also, dass an einem Konzil Bischöfe und Geistliche aus der ganzen Glaubensgemeinschaft vertreten sind. So war das Konzil von Nicäa im Jahr 325 eine erste solche Versammlung von Bischöfen aus allen Teilen des Römischen Reiches (Ost und West). Grund für die Einberufung des Konzils waren zwei konkurrierende Auffassungen über die Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn (Wesenseinheit oder Getrenntheit). Dieser theologische Disput wird in der Forschungsliteratur als „Arianischer Streit“ bezeichnet, da die Vertreter des „Arianismus“ der Auffassung waren, dass der Vater nicht dem Sohn gleichgestellt sei, während die Mehrheit auf dem Konzil anderer Meinung war, nämlich dass der Vater nicht vom Sohn zu trennen sei (Homoousion).

Kaiser Konstantin bot Bischöfe aus dem ganzen Reich im Jahre 325 nach Nicäa auf, um die Frage nach der Wesenseinheit Gottes sowie weitere theologische Fragen zu klären. Es sei hier nur angemerkt, dass die Christen bis zur Alleinherrschaft Kaiser Konstantins (324) Opfer permanenter Verfolgungen gewesen waren, weshalb solch ein Treffen erst unter seinem Patronat möglich wurde, da Konstantin das Christentum im Römischen Reich nicht nur tolerierte, sondern auch aktiv fördern wollte. Das Konzil von Nicäa ist daher ein entscheidender Wendepunkt in der Weiterentwicklung des Christentums und legte gleichzeitig auch den Grundstein für alle folgenden ökumenischen Konzilien. Aus den genannten Gründen kann seine historische Bedeutung kaum überschätzt werden.

Nicäa in Zürich, 1700 Jahre später
Die wissenschaftliche Konferenz begann am Samstag, dem 26. April 2025 in der Pfarrei Maria Entschlafen in Schwamendingen. Programmleiter der Konferenz war der Direktor des Serbischen Instituts, Saša Bjelić.

Eröffnet wurde die Tagung mit einem Vortrag von Bischof Andrej Čilerđić über das „Gedenken des Ersten Ökumenischen Konzils nach der Lehre des Heiligen Nektarios von Ägina“. Da Bischof Andrej nicht persönlich anwesend sein konnte, wurde sein Referat vom Diplom-Theologen Vladimir Mihajlović vorgetragen. In seinem Vortrag präsentierte Bischof Andrej die „Historische Studie über die Ursachen von Spaltung und Schisma“ von Nektarios (1846–1920) , als dieser auf der Insel Ägina lebte.

Anschließend sprachen Prof. Dr. Jan-Andrea Bernhard, Titularprofessor für Kirchengeschichte und Lehrbeauftragter für Osteuropäische Geschichte an der UHZ, und Miloš Vučković, Student der Osteuropastudien und Politikwissenschaften an der UHZ, über den „Historischen Kontext des Ersten Ökumenischen Konzils von Nicäa“. Ihr dreiteiliger Vortrag startete mit einer Begriffserklärung von Bernhard, es folgte eine Skizzierung der Geschichte Kaiser Konstantins und des Arianischen Streites von Vučković und schließlich wurde das Referat von Bernhard mit einigen ökumenischen Hinweisen zu den Nachwirkungen des Konzils auf das Christentum abgerundet.  

Prof. Dr. Jerej Srboljub Ubiparipović von der Orthodoxen Theologischen Fakultät in Belgrad ging auf „Die Rezeption der Beschlüsse des Ersten Ökumenischen Konzils im liturgischen Leben der Orthodoxen Kirche“ ein. Thema seines Vortrages war die Entscheidungsfindung des Ersten Ökumenischen Konzils im liturgischen Ausdruck. Forschungsgegenstand war hierbei die etablierte Praxis der Verkündung des nicäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses innerhalb der heiligen Eucharistie, da die ersten acht Artikel das direkte Erbe des Ersten Konzils von Nicäa sind. Neben der Klärung des Arianischen Streites wurden am Konzil auch Antworten auf weitere Fragen formuliert. Diese Antworten wurden als 20 Canones festgehalten. Um dem Publikum einen Einblick zu geben, ging Ubiparipović in seinem Vortrag auf den 13., 18. und 20. Kanon genauer ein.[6] In seinem Vortrag diskutierte er auch die Definition des Osterdatums, das ebenfalls am Konzil in Nicäa beschlossen wurde.

Nach einer Mittagspause sprach Dr. Nataša Marjanović, Senior Research Associate des Musikwissenschaftlichen Instituts von der SANU über „Lieder aus dem Gottesdienst der Heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzils in melographischen Aufzeichnungen des serbischen Kirchengesangs“. In ihrem Referat analysierte sie die Noten serbischer Lieder, die in der Liturgie am Sonntag gesungen werden und sich am Ersten Ökumenischen Konzil (325) orientieren. Sie stellte die wichtigsten serbischen Autoren solcher Lieder vor und verwies auch auf kulturelle und historische Besonderheiten beim heutigen Gebrauch dieser Lieder. Dr. Miomir Marinković diskutierte in seinem Vortrag „Das Konzil von Nicäa – seine Bedeutung und Relevanz“ die Krise des Römischen Reiches. Der Vortrag bot einen historischen Überblick über die Idee und Entwicklung der Ökumene sowie die Möglichkeit ihrer Verwirklichung in der modernen Welt.

Im Anschluss folgte das Referat über „Christologie und Domänen der Dreifaltigkeitslehre des Ersten Ökumenischen Konzils“ von Erzpriester Nenad Mihajlović. Im Zentrum dieses Vortrags stand Synodalität als grundlegendes Wesensmerkmal der Kirche – mit einem besonderen Augenmerk auf die christologischen Dimensionen des Ersten Ökumenischen Konzils. Der Vortrag von Mihajlović zeigte eindrücklich, dass es sich bei den Beschlüssen des Ersten Ökumenischen Konzil nicht um abstrakte Spekulationen handelte, sondern um die lebendige Erfahrung der Kirche mit dem heiligen Geist.

Die Vortragsreihe am Samstag schloss mit einem Vortrag von Erzpriester Dr. Miroslav Simijonović, Dozent an der theologischen Fakultät „Heiliger Sava“ in Libertyville (Chicago) zum Thema „Rezeption der Beschlüsse des Ersten Ökumenischen Konzils in der christlichen Kunst des 4. Jahrhunderts“. Anhand konkreter Beispiele zeigte Simijonović auf, wie sich die Kunst nach dem Ersten Ökumenischen Konzil veränderte und die Beschlüsse des Konzils aufnahm. Im Vortrag wurde ebenfalls mithilfe der Kunst auf den aufgewerteten Stellenwert des Christentums innerhalb der römischen Gesellschaft hingewiesen. Mit dem Zusammenspiel von Konzil und Kunst wurde das verbreitete christologische Bewusstsein bildhaft deutlich gemacht.

Der erste Konferenztag endete mit einem festlichen Abendessen, an dem die Chorgruppe „Bogorodičin“ und die Ethno-Gruppe „Istočnik“ mehrere serbische Volkslieder sangen Als Ehrengast beim Abendessen nahm der serbische Botschafter in der Schweiz, Goran Bradić, teil..

Der zweite Tag der Konferenz fand in der Dreifaltigkeits-Kirche in Zürich statt. Nach der Göttlichen Liturgie folgte der Vortrag „Die Bedeutung und Botschaft des Nicänischen Ökumenischen Konzils (325) für die Orthodoxen des 21. Jahrhunderts“ von Prof. Dr. Srboljub Ubiparipović. Anschließend endete die Konferenz mit einem festlichen Mittagessen in den Räumlichkeiten der Kirche.[7]

Miloš Vučković, Student der Osteuropastudien und Politikwissenschaften an der Universität Zürich.

Jan-Andrea Bernhard, Prof. Dr., Titularprofessor für Kirchengeschichte und Lehrbeauftragter für Osteuropäische Geschichte an der Universität Zürich.

Anmerkungen:
[1] https://serbinstitut.ch/de/

[2] https://www.prosvjeta.ch/

[3] https://srpskistudenti.ch/

[4] https://www.sanu.ac.rs/en/

[5] Der Schweizer Bischof der Serbisch-Orthodoxen Kirche, Andrej Čilerđić, war ebenfalls eingeladen, musste seine Präsenz jedoch aufgrund dringender Verpflichtungen in der Diözese kurzfristig absagen.

[6] Genauer zu den drei Kanonen: Kanon 13: Einem Sterbenden darf die Eucharistie gegeben werden, wenn er danach verlangt, auch wenn er nicht zur Kommunion zugelassen war; Kanon 18: Diakone dürfen die Eucharistie nicht Priestern geben, sondern sollen die Eucharistie von Bischof oder Priester empfangen; Kanon 20: Am Sonntag und in der Pfingstzeit soll nicht kniend, sondern stehend gebetet werden.

[7] Genaueres zur Konferenz ist ebenfalls auf der Internetseite vom serbischen Institut zu finden: https://serbinstitut.ch/de/anlaesslich-des-1700-jahr-jubilaeums-des-ersten-oekumenischen-konzils-in-nicaea-im-jahr-325-fand-in-zuerich-eine-konferenz-statt/. Alle Vortragsthemen erscheinen als wissenschaftliche Aufsätze in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift «Studia Serbica» des Serbischen Instituts in der Schweiz.

Bild: Prof. Dr. Jerej Srboljub Ubiparipović von der Orthodoxen Theologischen Fakultät in Belgrad. (Foto: © Serbisches Institut)