Witold Kania zum Klimagipfel und ökologischen Engagement der Kirche in Polen

interview witold kaniaIm Dezember hat in Katowice COP24, der sog. Klimagipfel der UNO stattgefunden. Wie schätzen Sie die Ergebnisse des Treffens ein?
„UN-Klimagipfel“ ist die Abkürzung für eine Veranstaltung, die zwischen dem 3. und 15. Dezember in Katowice, der Hauptstadt Oberschlesiens stattfand. Der offizielle Name dieses Treffens lautet: 24. Konferenz der Vertragsparteien des UNO-Rahmenabkommens über Klimawandel (COP24). Für unsere Region und die Kirche ist dieses Ereignis von historischer Bedeutung. Schon früher fanden Klimagipfel der UNO in Polen statt, so COP14 in Poznań und COP19 in Warschau. Doch das Thema des Klimawandels und der damit verbundenen Probleme waren noch nie so wichtig wie jetzt. Der Klimawandel ist in vielen Teilen der Welt spürbar und ist mit der unverantwortlichen Verwendung von Gütern verbunden, die wir von Gott erhalten haben (darunter auch Kohle). Der Ort des Treffens hat selbst eine symbolische Dimension: Oberschlesien ist reich an Kohle, die hier seit dem 17. Jahrhundert abgebaut wird. Über 20‘000 Personen können sich am Standort der früheren Kohlemine treffen, die nun ein internationales Kongresszentrum ist. Es hat eine symbolische Transition von Steinkohle zu neuen Lösungen in der Energieproduktion stattgefunden. Wir sind froh, dass einerseits ein Abkommen auf UN-Ebene erreicht wurde, und andererseits dank des Gipfels das Bewusstsein für die Sorge um den Schutz unseres gemeinsamen Hauses Erde gestiegen ist.

Was kann der Klimagipfel bewirken?
Es ist schwierig die Frage zur Wirkung des Treffens in Katowice auf globaler Ebene zu beantworten. Allerdings haben wir jetzt das Katowice Rulebook, das das Pariser Klimaabkommen umsetzt. Es hält fest, dass die Länder – Vertragsparteien des Abkommens – ihre Emissionen werden senken und ab 2024 alle zwei Jahre über ihre Fortschritte berichten müssen. Aus unserer lokalen Perspektive hat uns der Gipfel daran erinnert, dass es notwendig ist, auf allen Ebenen der Gesellschaft Bemühungen für das gemeinsame Gut – die Erde – anzustellen.

Im Vorfeld des Klimagipfels fand der „Pilgrim-Klimagipfel der Jugend Europas“ in Katowice statt, an dem die Jugendlichen Erzbischof Wiktor Skworc von Katowice ihr Nachhaltigkeits-Manifest überreicht haben. Wie sehen Sie die Rolle der Jugendlichen im Umweltschutz?
Das Jugendtreffen vor COP24 war ein besonderes Ereignis. Ich konnte teilweise teilnehmen und es war sehr hilfreich für mich. Junge Menschen gehen ernsthaft und verantwortungsvoll an das Thema Ökologie heran. Sie verbinden es mit ihrem Glauben und sehen in ökologischen Initiativen einen Weg, um auf Gottes Ruf, ein „Mensch des Gewissens“ zu sein, zu antworten. In sehr konkreten Fragen hört man die Stimme Gottes im Gewissen. Diese tangieren nicht nur die Beziehung zu Gott, sondern auch zu anderen Menschen und zur ganzen Schöpfung, die uns von Gott anvertraut wurde. Junge Menschen sind hellhörig in Fragen der Ökologie. Vor allem in der menschlichen Ökologie, denn sie sind sensibel für den Schutz des menschlichen Lebens, aber auch für den Schutz der Natur, die Sorge um die Tiere, Abfallfragen sowie für die Askese als Herangehensweise zu Bedürfnissen, das einzige Gegenmittel für die Sünde des Konsumdenkens.

Was tut die katholische Kirche in Polen für den Umweltschutz?
Die katholische Kirche in Polen geht verantwortungsbewusst an die Frage der Ökologie heran. Zunächst sollte bemerkt werden, dass sie sich in historischer Perspektive als eine der ersten in der Ökologie engagiert hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der von der Sowjetunion aufgezwungene Sozialismus eine ungerechtfertigte Entwicklung der Schwerindustrie voranzutreiben. Dies führte dazu, dass wir Ende der 1970er Jahre an der Schwelle zu einer ökologischen Katastrophe standen. Das Überschreiten von Emissionsstandards für giftige Gase, Schwermetalle, die Krankheiten verursachen (z. B. Bleivergiftungen), die Schädigung von Wäldern, Wasser, Luft und Boden wirkte sich stark auf unser Land aus.

Es genügt zu erwähnen, dass in Oberschlesien pro Einwohner jährlich zwei Tonnen Staub, vorwiegend aus der Industrie, anfielen. Die Bischöfe von Katowice beispielsweise forderten in öffentlichen Reden, Predigten und Briefen an die Behörden Respekt für die menschliche Würde, anständige Arbeit und Ruhezeiten, saubere Luft und Wasser sowie gesunde Nahrung aus unverschmutzten Böden. Nach dem Ende des Sozialismus 1989 nahmen die Bischöfe im Bereich der Ökologie weiterhin kein Blatt vor den Mund. In den letzten Jahren wurde besondere Aufmerksamkeit auf „ökologische Sünden“ und die Bildung richtiger moralischer Einstellungen, insbesondere hinsichtlich Smog und tiefer Emissionen, gerichtet. Wir haben auch engagierte Laien, die viel Gutes für unsere Erde tun – unabhängig davon ob in ökologischen Bewegungen, inspiriert von der kirchlichen Lehre, oder im politischen Engagement auf verschiedenen Ebenen der Verwaltung – damit sie ein gemeinsames Zuhause für alle sein kann.

Welche Impulse für ihre Arbeit hat die Kirche in Polen vom Klimagipfel erhalten?
Im Hinblick auf das unterschiedliche Engagement von Menschen aus der Kirche in der Ökologie denke ich persönlich, dass es Spiritualität braucht. Ohne echte Spiritualität kann Ökologie zu einem äußerlichen Aktivismus werden. Es genügt nicht, zu handeln. Alle Christen müssen wissen, was der Zweck jeder christlichen Aktivität ist: es ist die Suche nach Gottes Ehre in allem. Am Ende des Apostolischen Schreibens Gaudete et exultate schreibt Papst Franziskus: „Bitten wir darum, dass der Heilige Geist uns eine große Sehnsucht eingebe, heilig zu sein zur größeren Ehre Gottes. Ermutigen wir uns gegenseitig in diesem Anliegen“ (Gaudete et exultate, Nr. 177). Diese Ermutigung, ausgehend vom Heiligen Geist, muss jedem, der in ökologischen Fragen involviert ist, geboten werden.

Witold Kania, Dr., ist Priester in der Erzdiözese Katowice. Er unterrichtet Philosophie an der Fakultät für Theologie an der Universität Schlesien. Er war Mitglied der Delegation des Hl. Stuhls für COP24.

Übersetzung aus dem Englischen: Natalija Zenger.

Bild: © cop24.gov.pl.

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