Polen: Priesterweihen gehen zurück
In diesem Jahr werden in Polen 196 neue Priester geweiht, davon 130 Diözesan- und 66 Ordenspriester. Das bedeutet einen systematischen Rückgang, denn 2024 wurden noch 235 und 2013 sogar 401 Priester geweiht. Diese Daten hat die polnische katholische Nachrichtenagentur KAI aus diversen kirchlichen Quellen zusammengetragen.
Zum Teil hängt der Rückgang damit zusammen, dass einige Priesterseminare ein zusätzliches propädeutisches siebtes Ausbildungsjahr eingeführt haben, während dessen der Kandidat seine Berufung prüfen soll. Gleichzeitig entscheiden sich immer weniger Männer für das Priesterseminar. Im Jahr 2000 studierten noch 6789 Priesterkandidaten, 2023 waren es nur noch 1690, was einen Rückgang von 75 Prozent in zwei Jahrzehnten bedeutet. Im September 2025 schrieben sich nur noch 289 Männer neu in einem Priesterseminar ein.
Jan Frąckowiak, Rektor des Theologischen Seminars in Poznań und Vorsitzender der Konferenz der Rektoren der höheren Diözesan- und Religionsseminare, hält den Rückgang für eine Normalisierung: Es habe in der polnischen Geschichte noch nie so viele Priester und Priesterseminare gegeben wie heute, bei letzteren fänden nun vermehrt wieder Fusionen statt. Besonders unter Papst Johannes Paul II. (1978–2005) und nach dem Ende des Kommunismus hatte die katholische Kirche in Polen einen starken Zulauf an Seminaristen erlebt – der absolute Höchststand an Weihen in der Geschichte des Landes betrug 900 im Jahr 1995.
Tomasz Królak, Journalist bei der Katholischen Nachrichtenagentur KAI, sieht in dem Trend auch eine Chance für eine Erneuerung der Kirche: Erstens werde der Entscheid, Priester zu werden, im säkularisierten Umfeld wieder bewusster getroffen, zweitens könnte der Trend dazu führen, dass mehr Geistliche aus anderen Ländern in Polen wirken, und drittens würden mehr Laien kirchliche und kirchennahe Ämter und damit Verantwortung übernehmen.
Trotz dieses Rückgangs bleibt Polen weiterhin das europäische Land mit den höchsten absoluten Zahlen an Priesterweihen. Gleichzeitig verliert das Land jedoch seine bisherige Rolle als einer der wichtigsten „Exportstaaten“ für Geistliche in Europa sowie für Missionen in Afrika, Asien und Lateinamerika, wo polnische Geistliche traditionell in großer Zahl tätig waren.
Regula M. Zwahlen (mit Material von Kathpress)