Russland: Doch kein Putin-Mosaik in der Armeekathedrale

In der neuen Armeekathedrale wird nun doch kein Mosaik mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin zu sehen sein. Auf Wunsch Putins wird das Mosaik nicht in der Auferstehungskathedrale angebracht, erklärte Bischof Stefan (Privalov), der Vorsitzende der Synodalabteilung der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) für die Zusammenarbeit mit den Streitkräften und Strafverfolgungsbehörden. Zudem wies er darauf hin, dass das Mosaik nicht entfernt worden sei, da die Bilder nicht aus der Kirche, sondern aus einer Werkstatt stammten.

Vor kurzem waren die Fotos von unfertigen Mosaiken in den Medien aufgetaucht, auf denen Putin und andere hochrangige russische Politiker sowie Stalin zu sehen sind und die für die Armeekathedrale bestimmt waren. Die Aufnahmen hatten zahlreiche kritische Reaktionen ausgelöst. Bischof Stefan selbst findet das Putin-Mosaik nicht unangemessen, denn es stehe in der Tradition der Darstellung von historischen Ereignissen in Kirchen. Doch falls das Mosaik, das die „unblutige Angliederung der Krim“ zeigt, jemandem verfrüht erscheine, sei es wohl angebracht, damit zu warten.

Noch mehr Kritik hatte ein Mosaik hervorgerufen, auf dem die Siegesparade der Roten Armee 1945 – die Kathedrale ist dem Sieg im Zweiten Weltkrieg gewidmet – mit einer Stalinfahne abgebildet ist. In der ROK selbst gehen die Meinungen darüber auseinander. Metropolit Ilarion (Alfejev), der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, sprach sich in der Sendung „Kirche und Welt“ auf Rossija 24 dagegen aus. Er finde, dass „eine Darstellung Stalins in einer orthodoxen Kirche nicht sein darf, weil Stalin ein Verfolger der Kirche war, auf seinem Gewissen lastet das Blut von Millionen Menschen, darunter auch der Neumärtyrer der russischen Kirche“. Außerdem sei eine Kirche kein „Ausstellungssaal“, sondern ein Ort des Gebets. Gleicher Meinung ist Vladimir Legojda, Leiter der Synodalabteilung für die Zusammenarbeit der Kirche mit der Gesellschaft und den Medien. Zwar habe es die Darstellung weltlicher Personen im kirchlichen Bereich immer gegeben, aber „mit dem Namen Stalins ist viel Unglück im Leben von Menschen verbunden, das nicht aus der Geschichte getilgt werden kann“. Persönlich findet er, ein Bild Stalins gehöre nicht in eine Kirche. Die scharfe Reaktion auf die Bilder zeige zudem, dass ein solcher Schritt eine „breitere Diskussion braucht“.

Entschieden anderer Meinung ist Erzpriester Leonid Kalinin, der Leiter des Expertenrats der ROK für kirchliche Kunst, Architektur und Restaurierung. Selbstverständlich könnten die Verbrechen Stalins nicht entschuldigt werden, doch als historische Figur, als Oberkommandierender der Roten Armee bleibe er trotzdem erhalten, „das ist die Geschichte unseres Landes“. Außerdem wäre das Mosaik nicht an prominenter Stelle angebracht worden, „überhaupt hätte es niemand bemerkt, hätten die Medien nicht Lärm gemacht“. Kalinin beunruhigt am meisten, dass nun vor allem darüber gesprochen werde, statt über den Sieg.

Patriarch Kirill hat inzwischen offenbar entschieden, dass das Stalin-Mosaik nicht in der Kathedrale angebracht werden soll. Das geht aus einem Brief von Erzbischof Jean (Renneteau), dem Oberhaupt der Erzdiözese der Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa hervor. Darin bedankt er sich bei Kirill für die Entscheidung und seine „Weisheit“. Diese „mutige Entscheidung“ helfe ihm, Kritikern seiner Entscheidung, das Erzbistum dem Moskauer Patriarchat zu unterstellen, klarzumachen, dass „unsere Mutterkirche frei ist und unser Patriarch Kirill seine Herde entsprechend dem Willen Gottes leitet“.

Die Armeekathedrale hätte am 6. Mai, im Vorfeld zu den Feiern des 75. Jubiläums des Siegs im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai, eröffnet werden sollen. Aufgrund der Corona-Krise wurde die Eröffnung auf ein späteres, noch nicht definiertes Datum verschoben. (NÖK)

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