Georgien: Orthodoxe Kirche in Abchasien will Loslösung von Georgien

Mit der Aussetzung aller Gottesdienste in Abchasien hat die Leitung der dortigen orthodoxen Kirche eine Klärung ihres Status zu erzwingen versucht. Sie möchte, dass entweder ihre Selbstständigkeit anerkannt wird oder sie sich der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) anschließen kann. Dabei hofft sie auf die Unterstützung der ROK, der Druckversuch ist jedoch erfolglos geblieben.

Der Priester Vissarion Aplia, der die Eparchie Abchasien seit den 1990er Jahren vorübergehend leitet, hatte am 19. Februar im staatlichen abchasischen Fernsehen erklärt, dass in Abchasien so lange keine Gottesdienste stattfinden würden, bis der Status der Eparchie geklärt sei. Für die Gläubigen sollten die Kirchen aber offen bleiben. Er hoffte, dass „das Moskauer Patriarchat unsere kirchliche Situation, den Status unserer abchasischen orthodoxen Kirche löst“. „Wir können nicht Teil der Georgischen Orthodoxen Kirche sein, waren nicht Teil von ihr und werden es auch nicht sein“, fügte er hinzu. Es sei „unmöglich“, sich 30 Jahre lang in so einer Situation zu befinden, deshalb habe er die Gottesdienste im Land gestoppt.

Die Frage nach dem Status der orthodoxen Kirche in Abchasien stellt sich seit dem abchasisch-georgischen Krieg von 1992–1993. Seit dem Krieg betrachtet sich die ehemalige georgische Region als unabhängige Republik. Bis dahin gehörte die Eparchie Abchasien zur Georgischen Orthodoxen Kirche (GOK), 2009 erklärte sie sich für unabhängig. Allerdings betrachten alle orthodoxen Lokalkirchen die abchasische Eparchie weiterhin als Teil der GOK. Nach dem Krieg mussten aber alle georgischen Geistlichen das Land verlassen. Seither leitet Vissarion die Kirche provisorisch.

Metropolit Andrea (Gvazava) von Gori und Ateni bezeichnete Vissarions Erklärung, das Moskauer Patriarchat solle die abchasische Frage lösen, als „völlig unerwartet und unverständlich“. Er wies darauf hin, dass Vissarion Mitglied der GOK sei. Er hofft, dass die ROK, „die das kanonische Territorium der GOK eindeutig und ausdrücklich anerkannt hat“, nicht auf die Aufforderung eingeht und weder die Unabhängigkeit der abchasischen Kirche anerkennt noch sie in die ROK eingliedert.

Inzwischen hat Vissarion die Gottesdienste wieder aufgenommen, obwohl sich in der Frage nichts getan hat. Er hofft jedoch noch immer auf die Unterstützung der ROK bei der Schaffung einer autonomen abchasischen Kirche. Viele abchasische Gläubige hatten die Aussetzung der Gottesdienste laut dem Newsportal kavkazskij uzel abgelehnt. Unter keinen Umständen dürften Gottesdienste gestoppt werden, umso mehr die Gläubigen in der Pandemie spirituelle Unterstützung bräuchten, heißt es dort. Geistliche müssten ungeachtet aller Umstände Gottesdienste feiern, die Gläubigen dürften nicht „Geiseln irgendwelcher Spiele sein“, erklärte ein Gemeindemitglied einer Kirche in Gagra. Ein anderer Gläubiger sagte, die Kirche müsse „Gott und den Menschen dienen, nicht ihren eigenen Ambitionen“, zudem spiele ihr Status keine Rolle. Bemängelt wurde auch, dass viele Geistliche nach Russland gereist waren und nicht einmal Begräbnisfeiern oder Taufen durchgeführt werden konnten. Andere Gläubige unterstützten das Vorgehen Vissarions jedoch. (mit Material von Kathpress) (NÖK)

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